Karin Dornbusch

No risk, no fun!

Unsere Sprotte des Monats Juli 2013 ist Karin Dornbusch. Kürzlich stolperte die SurfSprotte Redaktion im World Wide Web über beeindruckende Windsurf-Pics aus Vargas / Gran Canaria. Zu sehen war Karin mit krasser Windsurf-Action in dicken Wellen. Schnell recherchierten wir, weil wir die Dame näher kennen lernen wollten und freuen uns nun sehr, euch Karin vorstellen zu können. Sie ist eine echte Power-Frau, lernt mit 34 Jahren den Front Loop, fährt am liebsten im 5/4/3er Neo in Wijk am See / Holland und bereist gern die schönsten Wellenspots der Welt. We like!!! Vor allem hat Karin trotz ihres Fahrkönnens keine Star Allüren. Lest, wie sich durch gebissen hat, woran sie sich orientiert und warum sie keine Wettbewerbe mit fahren möchte.

 

Karin Dornbusch - Microsteckbrief

Geburtstag: 3. März 1969
Sternzeichen: Fische
Größe: 166
Wohnort: Essen (ursprünglich aus Jülich) 
Beruf: Produktmanagerin für Energieversorgungsunternehmen

Stichwort: Back to the roots! Wer erinnert sich gern an seine Anfänge zurück? Karin, weißt Du noch warum Du aufs Windsurfen gekommen bist und wie Deine erste Schritte waren?

Im Jahr 1990 habe ich mir überlegt, was Neues auszuprobieren und beschloss spontan, Windsurfen zu lernen. Prompt habe ich die ersten Surfmagazine gekauft, die Poster in meinem Zimmer aufgehängt und vom Surfen geträumt. Am 18. März 1990 war mein erster echter Surftag.

Vor allem hatte ich hatte Glück mit einem Kumpel aus der Nachbarschaft, der immer mit seinen Surfboards unterwegs war (teilweise aufs Dach einer Ente geschnallt). Ihn habe ich angesprochen, ob er wüsste, wie ich günstig an Surfanzüge komme. Im Gespräch hat er mir sofort angeboten, mich auf einem Surftrip nach Ool in Holland mitzunehmen. Er war so nett und hat mir sein Material geliehen: ein vier Meter langes Board mit Schwert und ein vier Quadratmeter „Sturmsegel“ von Ezzy. Ich quälte mich bei 20 Grad in einen Jogging- Anzug, Long-John und Trockenanzug! Während ich das Material dann bei gefühlten Null Wind in Ool ins Wasser schob, fragte ich noch schnelI, was ich tun müsse: einfach aufs Brett steigen und los. Habe ich gemacht und das war dann wohl ein Beachstart. Bin einfach ein bisschen „gestehsegelt“ und hab Schotstarts sowie Wenden geübt. Das hat einen riesen Spaß gemacht. Ich dachte: jetzt kannst Du surfen. Also hab ich mein gespartes Geld genommen und mit dem Kumpel bei nächster Gelegenheit in einem Surfshop die Grundausrüstung gekauft: „Herrenneoprenanzug“ (passende Damenanzüge gab es nicht), North Gabel mit Schnellverschluss, Neil Pryde Vortex 5,0 Segel, Hifly Board 325 Superfun mit schnittigem Schwert und Trapez.

Innerhalb der nächsten drei Monate habe ich Trapez fahren und den Wasserstart gelernt, und dann ging es stetig weiter.

 

Du windsurfst auf einem hohen Level. Wieso haben wir bisher kaum etwas von Dir gehört?

Nun, ich stelle regelmäßig Bilder von Trips in die Stehsegelrevue ins „Pic of the Day“. Ab und zu veröffentlicht die Daily Dose auch Berichte von mir. Wenn man immer regelmäßig an den „üblichen“ Surfspots in der Welt auftaucht, kennt man sich schon. Ich sehe oft Bekannte und Freunde auch erst nur dort und gar nicht zu Hause.

 

Sind Wettkämpfe nichts für Dich? Warum?

Ich habe mal mit dem Gedanken gespielt. Aber ich war schon 34, als ich den Frontloop gelernt habe. Ich finde, man muss auch eine Vielfalt an Manövern beherrschen, um an Wettkämpfen teilzunehmen. Sonst wird es lächerlich: sowohl für die Zuschauer als auch für einen selber.

 

Was war Dein schwierigstes Manöver und wie hast Du geschafft, es zu überwinden?

Frontloop: Nach vielen erfolglosen und schmerzhaften Versuchen, habe ich eine Wave Clinic auf Gran Canaria besucht, in welcher der damalige schwedische World Cup Fahrer, Kristoffer Living, mir die entscheidenden Tipps gegeben hat. Schon nach einem Tag hat es dann geklappt. Das war ein großartiges Gefühl! Die guten Erklärungen und die Gruppendynamik in der Clinic haben den entscheidenden Push gegeben.

 

Hier erklärt Karin übrigens den Fronti:

http://www.windgirls.com/learntoloop.html

 

Gibt es aktuell einen Move, an dem Du feilst?

Eigentlich immer noch an der Verfeinerung des Frontloops. Selbst wenn man die Rotation kann, heißt das nicht, dass die Frontloops auch schön aussehen und gut fluppen. Es hängt von so vielen Kleinigkeiten ab, dass man gut rotiert (oft rotiere ich zu viel über Kopf). Ich habe jetzt nach all den Jahren umgelernt, meine Masthand nicht mehr von unten greifend an den Gabelbaum zu benutzen, sondern von oben. War am Anfang ein ganz komisches Gefühl, aber seitdem gehen viele Manöver viel besser. Außerdem versuche ich höher zu springen.

Des weiteren übe ich den Pushloop. Das ist Null oder Hundert. Ich habe schon einige kleinere Verletzungen gehabt, so dass ich echt Angst vor dem Manöver habe (mehrere blaue Augen, Nase, Lippe, Rippe geprellt, Dellen vom Trapezhaken im Segel...ist nicht ohne). Ich schaffe leider noch nicht die komplette Rotation. Einmal überrotiert und sonst auf das Material gefallen...gar nicht gesund...ich hoffe sehr, dass ich es doch irgendwann mal hinbekomme. Ich bleibe dran ;-)

 

Wie pusht Du Deine Limits?

Ich orientiere mich an den Jungs, die auf hohem Level fahren. Wenn ich ein Mädel auf dem Wasser sehe, dann beobachte ich schon, wie sie fährt. Wenn sie gut fährt, dann möchte ich natürlich auch gut „dastehen“ und versuche besonders „variantenreich“ zu fahren.

 

Was bringt Dir auf dem Wasser den größten Spaß?

Wenn man mit Freunden zusammen surfen kann und sich gegenseitig auf dem Wasser pushed. Dann hat man auch nach den Sessions immer viel zu erzählen und kann sich auch immer weiter verbessern. Es ist nie langweilig, weil jede Surfsession anders ist. Es wiederholt sich nichts, wie bei vielen anderen Sportarten.

 

Lieblings-Equipment in welchen Bedingungen:

3,7er Segel (aktuell Ezzy Panther Elite) mit kleinem Waveboard (aktuell Quatro KT 72l) bei Wind von links mit zwei bis drei Meter Welle.

 

Lieblingsspot(s):

Wijk aan Zee (Holland), Vargas (Gran Canaria), Südafrika (insbesondere Big Bay und Paternoster), Chile (Matanzas: ich war nur ein Mal dort. Wenig Windausbeute, aber die zwei Tage mit Wind und Welle werde ich nie vergessen! Sehr, sehr beeindruckend!)

 

5/4/3er oder Bikini?

5/4/3er, dann geht’s ab in Wijk ;-)

 

Warum Windsurfen?

Windsurfen ist für mich kein Sport, sondern Lebensgefühl. Ich kann noch so untrainiert sein: Windsurfen geht immer. Ich mag die Herausforderung: jeder Surftag ist anders, es gibt keine Eintönigkeit, man ist ständig darauf aus, das Beste aus sich herauszuholen und immer wieder zu üben und sich zu verbessern. Auch wenn man alleine für sich surft, ist man nie alleine. Ich schaue gerne dabei zu, welche Manöver andere auf dem Wasser machen und versuche nachzueifern. Ich mag es gar nicht, wenn manche Windsurfer so tun, als wären sie alleine auf dem Wasser und nicht auf andere reagieren, das wirkt arrogant und egoistisch. Wellen kann man gut – nach Blickkontakt – zusammen abreiten. Windsurfer untereinander können stundenlang über Manöver, Material und Vieles mehr reden, ohne dass es langweilig wird. Schwierig für Nicht-Surfer, die nicht wirklich in diese Welt eintauchen. Auf Snowboarden, Fahrradfahren und andere Sportarten könnte ich gerne verzichten, aber niemals auf das Windsurfen.

Außerdem habe ich das Glück, dass mein Mann auch windsurft, so dass alle Urlaube und Wind-Wochenenden sich auf das Windsurfen konzentrieren. Zudem macht mein Mann tolle Fotos – nicht nur schön als Erinnerung an Surfsessions, sondern auch super für Fehleranalysen.

 

Erfolge:

Einmal bin ich bei einem Wettbewerb in 2001 in Wijk mitgefahren. Von 4 Frauen bin ich dann Erste geworden und habe ein T-Shirt gewonnen. Das war toll!

 

Sonstige Hobbys:

Krav Maga, weil hier alles trainiert wird: Fitness, Kraft, Abwehrtechniken (speziell auch in Kursen für Frauen). Mountain-Bike: Hin und wieder sind ein paar Hügel in Essen fällig. Kochen: wir ernähren uns vegan und ich liebe es, neue Rezepte auszutesten oder andere zu bekochen.

 

Wie sieht ein perfekter Tag in Deinem Leben aus?

Schön Frühstücken, zum Surfspot fahren, bei schönen Wellenbedingungen und konstantem Wind bei warmen Temperaturen ein paar Stunden mit meinem Mann und Freunden windsurfen, Pause mit viel Essen! Habe immer extrem Hunger, wenn ich vom Wasser komme. Dann eine Nachmittagssession, gemeinsames Abendessen (gerne auch selbst kochen, weil ́s entspannt) und mit einem Glas Sekt die Erlebnisse austauschen.

 

Ich hasse...

...wenn mir einer in die Welle dropt oder nah an mich ranfährt, weil er meint, mich überholen zu müssen und ich dadurch nicht springen kann bzw. mich verfolgt fühle.

 

Ich freue mich über...

...viele Mädels auf dem Wasser und wir uns freundlich beim Surfen zuwinken und uns am Strand unterhalten. Passiert viel zu wenig...es gibt zu wenige Mädels oder sie sind zu viel mit sich selbst beschäftigt.

 

Lieblingsessen: Vöner (vegane „Döner-Tasche“)

 

Gab es schon immer Etwas, dass Du windsurfenden Mädels sagen wolltest?

Mädels sollten darauf achten, dass sie auf ihre Körperverhältnisse angepasstes Material benutzen. Wer kleine Hände hat, sollte auch eine Gabel mit dünnen Holmen bevorzugen. Seitdem ich meine AL 360 Slim habe, fallen viele Manöver leichter, weniger Schwielen und auch das geringe Gewicht der Gabel ist entscheidend im Handling.

Gerade beim Brett muss man doch einiges austesten, um zu merken, was gut passt. Man kann sich ganze Surfsaisons versauen, wenn man das falsche Brett hat (selbst passiert – plötzlich klappt nix mehr beim Wellenabreiten, man glaubt, dass man keine Fortschritte

mehr macht etc.). Dafür ist es gut, auch bei Freunden Material immer mal wieder auszuleihen und zu testen.

 

Angenommen, Du gewinnst heute 1 Million Euro im Lotto: was machst Du damit?

Einen Teil spenden, einen Teil für die Familie und natürlich einen Teil für die große Rundreise – Maui, Oahu, Chile, Australien, Neuseeland, Kapstadt und Wijk ;-)

 

Lebensphilosophie: No risk, no fun!

 

Sponsoren: Quatro, Ezzy

 

Wo bist Du in 20 Jahren?

In Rente ;-) Ich hoffe, ich kann immer noch in der Welle surfen. An einem der letzten Wochenenden habe ich gerade einen Kumpel in Wijk getroffen, der schon 62 Jahre alt ist. Das ist kaum zu glauben. Er hat sich top gehalten und surft noch fleißig in den Wellen. Das will ich auch schaffen.