Swatch Girls Pro France 2013

Chris schaut für uns hinter die Kulissen des Events

Seid ihr schon mal bei einem Surfcontest gewesen?

Wir haben uns den Swatch Pro Girl-Surfcontest in Südfrankreich angeschaut, und jede Menge interessanter Dinge beobachtet...

 

Beim Swatch Pro in Seignosse

Für Surfer sind die Küstenorte Hossegor und Seignosse an der südfranzösischen Atlantikküste das europäische Mekka der Superstars im Wellenreiten, denn wenn sich der Sommer dem Ende neigt, trifft sich hier die Weltelite des Surfsports bei Contests wie dem Swatch Girls Pro, dem Quiksilver Pro oder dem Roxy Pro. Hier geht es ums Sehen und Gesehen werden, doch wir persönlich haben uns weniger für die Poser mit der dicken Sonnenbrille als für die Athletinnen selbst interessiert. Wie sehen die eigentlich von Nahem aus? Sind Surferinnen wirklich alle so hübsch? Wie gehen Athletinnen mit Stress um und wie ist eigentlich die Stimmung bei so einem Contest?

 

Staunen erlaubt!

Nachdem der bekannte Surfcontest „Roxy Pro“ aufgrund fehlender Wellen vom Juli in den Herbst verlegt werden musste, war ganz Südfrankreich hungrig auf einen Surfwettkampf der Spitzenklasse, der mit dem Swatch Pro für Ende August endlich Einzug in der beliebten Ferienregion halten sollte. Ganz besonders die Tatsache, dass sich beim Swatch Pro alles um die weiblichen Surfstars dreht, lockte eine riesige Anzahl von Besuchern an. Selten sieht man so viele junge, sportliche Frauen auf so kleinem Raum: Bikini-Alarm wohin das Auge blickt! Nicht nur den männlichen Besuchern blieb da so manches Mal der Mund offen stehen.

 

Schwierige Bedingungen

Die ersten beiden Wettkampftage wurden vor allem in den frühen Morgenstunden dank Offshore-Wind von hervorragenden Bedingungen gekennzeichnet, was die jungen Surferinnen voll auf ihre Kosten kommen ließ. Im weiteren Verlauf gestaltete sich das Surfen dann aber zunehmend anspruchsvoll, denn ein Wellenritt auf einer vom Onshore-Wind zerblasenen Welle ist wesentlich schwieriger als das Abreiten einer sauber perlenden Offshore-Schönheit. Für die Jury ist es auch keine leichte Aufgabe, Wellenritte in schwierigen Bedingungen zu bewerten, doch wahre Meisterinnen kommen eben in jeder Art von Welle klar und surfen auch kleine, unstrukturierte Wellen schnell und kraftvoll. Schnell zeigt sich dann in derartigen Bedingungen, wer seine Hausaufgaben gemacht hat und in schwierigen Konditionen, nämlich in kleinen, zerwühlten oder flachen Wellen zurechtkommt. Der Wettkampf brachte insgesamt alles mit: Perfekte Offshore-Wellen, zerwühlte Onshore- Bedingungen und am Schluss sogar riesigen Shorebreak.

 

Sehen Profi-Surferinnen wirklich so gut aus?

Es lohnt sich, sich die Weltelite im Frauensurfen einmal aus nächster Nähe anzuschauen, denn die Mädels sind genauso normale junge Frauen wie Du und ich. Das Bild, das die Medien von Profi-Surferinnen als sexy Badenixen mit Knackarsch und Pfirsichhaut vermitteln, stimmt so nicht ganz. Zwar sind Top- Surferinnen wie Coco Ho, Courtney Conlogue oder Laura Enever wirklich hübsch anzusehen und überaus durchtrainiert, doch im Grunde sehen sie aus nächster Nähe genauso aus, wie das Mädchen von nebenan. Cellulitis, Pickel oder Doppelkinn sind auch bei Top-Athletinnen keine Seltenheit. Doch trotz kleiner Makel zeichnet die Mädels eine Sache wirklich aus: ihr umwerfendes Strahlen nach einem gewonnenen Heat (Heat = Match innerhalb einer Wettkampfrunde).

 

Wut und Tränen

Oft werden die Surfrinnen, die aus der ganzen Welt anreisen, von ihren Familien begleitet und es ist wirklich interessant zu sehen, wie Mama, Papa, Bruder oder Freund mitfiebern. Häufig sind die Eltern aufgeregter als die Mädels selbst - ein mitunter echt dramatisches Schauspiel, das man dann am Strand zu sehen bekommt. Und ein Wettkampf bringt natürlich nicht nur Siegerinnen mit sich. So kann man auch immer wieder sehr traurige, enttäuschte oder auch wütende Gesichter beobachten. Ein echter Spießrutenlauf für die Teilnehmerinne, denn die Surferinnen müssen sich nach ihrer Wettkampfzeit im Wasser durch die Zuschauermassen am Strand durchdrängeln. Hier hagelt es – je nach Ergebnis – Begeisterungsstürme und nicht enden-wollende Autogrammanfragen oder aber im Zweifelsfall nur mitleidige Blicke. Kein leichter Abgang für die Mädels, von denen einige in ihren jungen Jahren schon extrem showerprobt sind. Die Siegerin jeder Heat wird übrigens von einem Kamerateam interviewt. Das kann man sich live mit anschauen und es ist sehr interessant, da jede Surferin ihren eigenen Stil mitbringt, sich vor der Kamera zu präsentieren. Die jungen Surferinnen von heute sind echte Medienprofis und wissen genau, wie sie sich am besten in Szene setzen.

 

Freundinnen oder Konkurrentinnen?

Klar hat man im Wettkampf nur eines im Kopf, nämlich besser als die anderen zu sein. Dennoch sind die Athletinnen, die sich untereinander ziemlich gut kennen, oft richtig gut befreundet und das sieht man ihnen auch an, wenn sie miteinander lachen oder sich nach einer Wettkampfrunde umarmen. In ihrer Freizeit unternehmen die Mädels viel gemeinsam, denn schließlich bereisen sie das ganze Jahr über die gleichen Wettkampforte. Im Wettkampf selbst macht die Höflichkeit dann aber Pause, denn Wellenreiten ist ein Sport, bei

dem Einzelkämpfer-Sinn gefragt ist. Wellen werden nicht verschenkt, sonder die Athletinnen müssen hart um sie paddeln. Wer allerdings einer anderen Surferin die Vorfahrt nimmt, der kann auch schon mal aus einer Heat rausfliegen, was beispielsweise Nikki van Dijk aus Australien lernen musste, nachdem sie einer Kontrahentin gleich zwei Mal hintereinander die sogenannte „Priority“ wegschnappte.

 

Knisternde Spannung bis zum Finale

Nicht nur dass die Wellen zum Ende des Wettkampfes nochmal ordentlich an Größe zulegten (am Finaltag Sonntag waren es um die 2 Meter Wellenhöhe), auch die Spannung steigerte sich ab dem Viertelfinale abnorm. Im Halbfinale traten die Favoritinnen Malia Manuel (Hawaii) und Courtney Conlogue (Kalifornien) gegeneinander an und kämpften in einem bombastischen Shorebreak (einen Shorebreak findet man oft bei Hightide, wenn die Wellen direkt auf den Strand brechen). Das Timing beim Rauspaddeln musste aufgrund der riesigen, sich direkt auf die Strandzone entladenden Wellen perfekt sitzen. Fast wie bei einem Triathlon hatten die Mädels aufgrund der starken Strömung nach einer gesurften Welle immer wieder den Strand entlang zu spurten, um weiter nördlich wieder zurück ins Wasser zu springen. Ein aufregender Dauerlauf, der den Athletinnen eine Menge Kondition abverlangte.

 

Glückstag für Siegerinnen Courtney & Johanne

Für eine große Überraschung sorgte die Französin Johanne Defay aus La Réunion. Die bislang wenig bekannte 19-Jährige holte sich nicht nur den Sieg bei den Juniorinnen, sondern schaffte es sogar ins Damen-Finale, in dem sie gegen die Vorjahressiegerin Corutney Conlogue antrat. Johanne surfte also nicht nur ganze vier Heats an diesem aufregenden Sonntagmorgen, sondern auch gleich zwei Finale hintereinander. Zwischen den beiden Heats verließ die ehrgeizige Surferin nicht einmal das Wasser, sondern kam erst kurz vor Schluss glücklich aber geschlagen an den Strand, weil ihr Surfbrett zerbrochen war. Aufgrund ihres Erfolges macht Johanne nun in der Weltrangliste einen riesigen Satz nach oben.

Die Kalifornierin Courtney Conlogue, Siegerin bei den Girls, nahm ihren Preis besonders strahlend entgegen, denn zufälligerweise handelte es sich beim Finaltag um ihren Geburtstag. Was für ein umwerfendes Geschenk: Die jetzt Weltranglisten-Führende bekam nicht nur die Auszeichnung und 8.000 Dollar Preisgeld, sondern vom Strandpublikum auch noch ein riesiges Geburtstagsständchen gesungen. Wenn das mal nicht ein krönender Abschluss eines aufregenden Surfcontests war.

 

Noch mehr Girl’s Contests in Europa

Die Surferinnen reisen jetzt weiter zum nächsten Wettkampf, dem Pantin Classic in Nordspanien, bevor wir viele von ihnen wieder Ende September zum Roxy Pro in Hossegor und im Oktober zum ersten Cascais Pro in Portugal sehen werden. Ihr seht also, nicht nur in Australien, Hawaii oder Tahiti, sondern auch bei uns in Europa kann man Weltklasse Surfevents live miterleben.

 

Tipp: Für alle unter Euch, die keinen Urlaub haben aber trotzdem mal einen Contests miterleben wollen: Ihr könnt die Wettkämpfe auch im Internet per Live Webcast verfolgen. Das ist eine aufregende Sache, da die Kamera immer ganz nahe dran ist und die Moderatoren viele spannende Details über die Surferinnen und die Surfsports verraten.

 

Text und Fotos: Christina Antje Friedrich