Christina Antje Friedrich

Steckt ihre Energie in das, was sie liebt

Unsere Sprotte des Monats September 2013 ist eine echte Surferin. Sie verbringt nicht nur die meiste Zeit auf oder am Wasser. Das Surfen hat sie auch spirituell erwischt. Die Wellen haben ihr neue Horizonte eröffnet und sie viel über das Leben gelehrt. Christina Antje Friedrich lebt ihre Träume und folgt ihrem Herzen. Was "Chris" uns über Surfen, das Leben, ihre neue Wahlheimat Biarritz, ihre Urlaube in Neuseeland oder den Profisport zu sagen hat, ist durchaus eine Inspiration. Ohje, aber schwafeln wollen wir hier nicht. Die nächsten Zeilen sind absolut lesenswert. Erfahrt selbst, was die studierte Deutsche als nächstes vor hat und öffnet eure Augen und Ohren für Wesentliches! 

Christina Antje Friedrich - Microsteckbrief

Geburtstag: 06. Juli 1979
Sternzeichen: Krebsin
Größe: 174 cm
Kosename: Chris
Wohnort: Biarritz, Seignosse, Coolangatta
Beruf: Surflehrerin, Journalistin, Marketing & Pressearbeit
Surfen seit: 2006

„Träume nicht dein Leben – Lebe deinen Traum“ - das könnte auch Dein Lebensmotto sein, Chris. Wie ist in Dir die Lust gewachsen, vom konventionellen Weg abzuweichen und sich auf das zu fokussieren, was Dir wirklich etwas im Leben bedeutet?

Haha... das hast Du schön zusammen gefasst! Ich lebe tatsächlich meinen Traum, denn es wäre schade, seine Energie nicht in das zu stecken, was man liebt. Mich hat schon als Jugendliche das Konventionelle nicht besonders gereizt, sondern eher das Extreme und das Anderssein. Im Laufe meines Lebens durfte ich allerdings lernen, dass es nicht nur die Norm und die Ausnahme gibt, sondern dass das, was wir als „Normal“ und oft sogar langweilig wahrnehmen, meist aus ganz vielen interessanten Besonderheiten besteht.

Dennoch habe ich schon bei der Wahl meines Studienfaches („Angewandte Theaterwissenschaften“) einen Paradiesvogel unter den Studiengängen gewählt. Mein Studium in Gießen war eine tolle Zeit mit viel praktischem Unterricht in Schauspiel, Tanz, Performance, Gesang, Fotografie, Audio- und Videodesign. Mein Leben war stets sehr kreativ und ich wurde darin von meinen Eltern auch immer unterstützt: ein großer Vorteil! Nach dem Studium habe ich dann in Berlin an Theatern, beim Radio, beim Fernsehen und schließlich lange Jahre als Filmkritikerin gearbeitet. Das war auch ein echter Traumjob, doch man entwickelt sich im Idealfall kontinuierlich weiter und somit auch die eigenen Träume.

 

Was war eigentlich zu erst da: die Neugierde auf das, was im Leben noch auf Dich wartet oder das Surfen?

Definitiv die Neugierde. Das ist eine Eigenschaft, die bei mir sehr ausgeprägt ist und die mir immer wieder erlaubt, Neues in mein Leben zu lassen. Im Surfen habe ich zwar einen echten Lebenssinn gefunden, doch es hätte auch etwas ganz anderes sein können. Geistige Momente der

absoluten Zufriedenheit erlebe ich entweder beim Schreiben oder beim Surfen, manchmal auch beim Fotografieren, ... einer weiteren Leidenschaft, in der ich sowohl beruflich als auch privat tätig bin. Ich versuche häufig das, was ich am liebsten mache, auch beruflich zu tun. Dass das immer wieder neue Projekte und Jobkonzepte mit sich bringt, macht mir keine Angst, sondern spornt mich sogar an.

 

Wie kam es dann dazu, Deine Zelte in Deutschland abzubrechen und auszuwandern?

Nun ich habe mich nicht von einem auf den anderen Tag entschieden, Deutschland zu verlassen, sondern bin durch das Surfen lediglich in permanentes Reisen hinein gewachsen. Nach wie vor bin ich immer mal wieder in Deutschland, aber eben auch immer mal wieder mehrere Monate auf den Kanaren, in Australien oder in Frankreich. Das ist gar nicht so kompliziert, wie es sich anhören mag. Man gewöhnt sich sehr schnell ans Unterwegssein und verabschiedet sich gerne von unnötigem Schnickschnack.

Bei meinem allerersten Surfkurs in Frankreich habe ich meinen Freund kennengelernt. Wir sind dann bald nach Auckland (Neuseeland) gezogen und haben dort gearbeitet. Nach diesem längeren Auslandsaufenthalt bin ich aber wieder nach Berlin und später Heidelberg zurück gekehrt. Jedoch hielt ich es dort kaum einen Monat ohne Wellen aus und ertappte mich immer wieder dabei, zwei von vier Wochen im Monat weg, also am Meer zu sein. Ob Kanaren, Portugal, Frankreich, Marokko, Australien oder Hawaii... durch meinen Job als Journalistin konnte ich von überall aus arbeiten. Ein großer Vorteil ist auch, dass mein Freund (auch Surfer, Windsurfer und Coach) genauso denkt wie ich und sein Leben schließlich ebenfalls umgekrempelt hat: Das heißt wir haben unsere Jobs so gewählt und modelliert, dass wir sie durch das Internet von überall aus machen können. Wir sind ein super Team, arbeiten sogar gemeinsam an Projekten und genießen es, nach einem schönen europäischen Sommer und Herbst in Australien und Neuseeland zu überwintern. Deshalb sage ich auch eigentlich nie, dass ich ausgewandert bin. Ich lebe lediglich mal hier und mal dort...

 

Du wohnst neuerdings aber auch fest im Surfer Mekka schlechthin! Erzähle uns doch etwas über den Spirit in Hossegor und Biarritz. Ist es wirklich so schön da oder wären wir als echte Soul Surfer enttäuscht, weil Biarritz doch mehr Schickymicky als Surferleben verkörpert?

Jetzt mitten im Hochsommer wärt Ihr sicher enttäuscht, denn im Juli und August ist an Südfrankreichs Stränden die Hölle los. Ich komme gerade vom Strand zurück und musste meine Session beenden, weil ein Stand Up Paddler über mein Brett gedonnert ist. Das ist jetzt das vierte kaputte Brett diesen Sommer. Im Wasser ist es im Hochsommer einfach zu voll, weshalb wir im Juli auch auf die Kanaren geflohen sind. Aber generell ist es fabelhaft im Zentrum des europäischen Surfsports und der

Surfindustrie zu wohnen. Von der Dreijährigen bis zu ihrem Großvater surft hier fast jeder und die Stimmung im Wasser ist oft sehr nett, vor allem in den frühen Morgenstunden, wenn die Touris noch schlafen... Hahaha... dabei bin ich ja fast selbst noch einer!

Unterm Strich ist es wirklich ein Traum, hier zu leben, wobei im Sommer viel Schickeria da ist. Nicht nur in Biarritz, sondern auch in Hossegor haben die reichen Pariser ihre Sommerhäuser. Doch im Wasser sind dann alle gleich! Das finde ich wirklich fabelhaft, denn es gibt keine sozialen Unterschiede in der Welle, höchstens Menschen, die sich schlecht benehmen.

Die Landschaft hier ist der reinste Traum, nicht nur die endlosen Strände der Region „Les Landes“ haben es mir angetan, auch die wunderschönen Kiefernwälder, poetischen Dünenlandschaften und Seen im Hinterland transportieren eine geradezu magische Atmosphäre! Außerdem möchte ich das zauberhafte Baskenland (um Biarritz) nicht mehr missen, dort laden fabelhafte Reefbreaks zum Surfen ein und die Menschen sind so herzlich wie originell und urtümlich. Ich liebe die französische Atlantikküste über alles – und zwar nicht nur im Spätsommer oder Frühling: Letzten Winter in Biarritz habe ich fast jeden Tag gesurft, selbst bei Hagel und Schneesturm.

 

Auch beruflich hast Du Dich mal wieder völlig neu ausgerichtet. Ich erinnere an die Website für Leute aus dem Sportbereich, die gezielt nach Szenejobs suchen. Und nun bist Du auch noch fleißig dabei, Dir Deinen Traum zu erfüllen und errichtest ein Surf Camp.

Ja, es ist immer was los in meinem Leben. Stillstand kommt selten vor. Neben der marketingtechnischen Betreuung von einigen Sportprodukten kam dieses Jahr eine Jobbörse speziell für Sportjobs hinzu. Surfsprotte hat ja sogar schon über Sportyjob berichtet. Wir bauen die Jobbörse, in der momentan hautsächlich Jobs in der Surfindustrie angeboten werden, momentan europaweit aus. Das ist ein spannendes Projekt, bei dem man interessante Leute kennenlernt und sich neue Perspektiven erschließen. Neben der Marketing-& Pressearbeit habe ich jetzt zwei Jahre als Surflehrerin in Australien, auf Fuerteventura und in Frankreich gearbeitet und da dachte mir, es ist vielleicht mal an der Zeit, ein wenig sesshafter zu werden und ein eigenes Surfcamp aufzumachen. Das lag eigentlich nur nahe, denn ich liebe es zu unterrichten und Gäste zu haben. Da gehe ich voll drin auf! Die Suche nach der richtigen Location war aber sehr schwierig, zumal die Region hier schon sehr viele Surfcamps zählt. Deshalb haben wir uns etwas anderes ausgedacht...

 

Kannst Du uns schon etwas über das Camp verraten?

Da wir noch im Aufbau sind, kann sich noch einiges ändern, doch wir sind schon recht konkret in unseren Plänen. Weil es schon so viele Jugend- und Studentencamps hier in der Region gibt, werden wir ein kleines, feines Surfcamp für Menschen ab 30 anbieten. Sozusagen ein Ü30 Surfcamp.

Natürlich ist das Alter kein Ausschlusskriterium und auch jüngere Surfer sind bei uns willkommen, doch wir möchten uns speziell der Altersgruppe widmen, die bewusst keinen Camping- oder Partyurlaub mit Saufgelage mehr möchte.

 

Was wirst Du alles anbieten?

Wir bieten ein kleines Surfcamp auf gehobenem Niveau an, sozusagen ein charmantes Designhotel für Surfer. Wir haben nur 5 Doppelzimmer aber jedes bietet eine schöne Terrasse und ein eigenes Bad. Das Camp liegt fußläufig sowohl zu einem super Surfstrand als auch zum See, so dass wir neben Kursen im Wellenreiten auch Stand Up Paddeln anbieten können. Massagen, Yoga, Biketouren oder kulinarische und kulturelle Trips ins Baskenland sind auch geplant und dürften vor allem das etwas ältere Zielpublikum ansprechen.

 

Wann wird das Camp eröffnet werden können und vor allem, wann werden wir Dich da besuchen und mit Dir surfen gehen können?

Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2014 geplant, so gegen Ostern / Anfang Mai. Wir sind selbst sehr gespannt, wie gut wir mit den Bauarbeiten vorankommen werden, zumal wir für den Winter eigentlich wieder 4 Monate Australien geplant und auch schon Flüge haben. Vielleicht wird das eine neue Herausforderung, den Umbau übers Internet zu koordinieren... darin sind wir ja eigentlich geübt.

 

Was kannst Du uns allen raten in Bezug aufs Surfen und die Erfüllung unserer Träume?

Lernt Euch selbst kennen und findet heraus, was Euch wirklich wichtig ist. Manchmal hechelt man einer Mode hinterher, die man in Wirklichkeit gar nicht mag. Um das herauszufinden, muss man sich Zeit lassen und Fehler erlauben. Wenn man etwas wirklich will, dann muss man auch nicht gleich alles hinschmeißen oder auf den Kopf stellen. Mit kleinen Schritten kann man viel erreichen, wenn man Ausdauer mitbringt. Ich habe mein Leben nicht erst voll durchgeplant und dann umgesetzt. Alles fiel schrittweise an seine Stelle und tut es jeden Tag. Ich beobachte das aufmerksam, genau wie ich mein Umfeld und die Energien um mich herum analysiere. Ich möchte ja niemanden überrennen, schon gar nicht mich selbst, sondern mich in einem gesunden Fluss entwickeln. Beim Surfen ist das mit das wichtigste und schönste Erlebnis: Der Flow. Ich habe enorm lange gebraucht, mich selbst kennen zu lernen, zu akzeptieren und auch zu lieben, denn das ist nicht selbstverständlich, besonders für Mädels. Ich übe jeden Tag daran, bemerke aber, dass mittlerweile vieles in meinem Leben einfacher läuft, seitdem ich mich nicht mehr dazu verpflichtet fühle, für alles Rechenschaft ablegen zu müssen. Das Surfen hat mir sehr dabei geholfen, ein Selbstbewusstsein dafür zu entwickeln, mich so anzunehmen wie ich bin. Jedes Mal wenn ich beim Surfen Angst habe, dann begegne ich meinem Ich in intensivster Form. Manchmal kämpfen wir, manchmal tröstet es mich, manchmal verzweifle ich an mir selbst. Dieser Kampf mit dem eigenen Willen ist beim Surfen ganz alltäglich und trägt dazu bei, sich selbst besser kennen zu lernen. Oft habe ich beim Surfen Angst und muss diese überwinden. Gerade wenn ich das nicht schaffe, ist das eine ganz besondere Erfahrung, nach der ich wie geläutert bin. Ich hatte früher häufig ganz schreckliche Alpträume von Monsterwellen und dachte, diese Urangst kann ich vielleicht bezwingen wenn ich surfen lerne. Tatsächlich sind die Träume heute verschwunden, denn die Angst ist jetzt keine unfassbare, unterbewusste Größe mehr, sondern eine greifbare, ganz reelle Macht, mit der ich jeden Tag in den Wellen arbeite. Jede Surfsession ist für mich ein Wunder, denn ich lerne immer wieder ganz neue Seiten von mir selbst kennen.

 

Kommst Du bei der ganzen Arbeit überhaupt noch selbst genug ins Line Up?

Ihr werdet es nicht glauben aber gerade wegen der vielen Arbeit komme ich momentan unheimlich viel zum Surfen. Ich habe mir nämlich ein Belohnungssystem eingerichtet: Wenn ich eine Projektphase oder gewisse Aufgaben erledigt habe, dann gehe ich erst mal eine Runde surfen. Da ich so nah am Strand wohne, geht das natürlich schnell mal nach dem Aufstehen, in der Mittagspause oder vor dem Abendessen. Generell ist meine Lieblingszeit der Sonnenaufgang. Momentan laufe ich jeden Morgen um viertel nach sieben die Düne herunter und bin oft die erste im Wasser. Das spendet reichlich Energie für die erste Arbeitsrunde am Laptop.

 

Welche Bedingungen liebst Du?

Witzig, dass Du das fragst, ich teste nämlich momentan ganz viel aus. Die letzten Wochen war ich wie gesagt fast immer um viertel nach sieben auf der gleichen Sandbank. Mittags dann nochmal und abends nochmal. Dabei habe ich diese Sandbank ganz besonders kennen gelernt und genau beobachten können, wie sich die Bedingungen mit dem Wechsel von Gezeiten, Wellenhöhe, Swellrichtung, Windstärke, Windrichtung sowie Mondstand (Koeffizient) verändern. Für einen Local ist das ganz normal, doch ich als ständig Reisende bleibe ja meist nie länger als ein paar Monate an einem Surfspot. Jetzt lerne ich viel über die Feinheiten meines Local Spots. Generell finde ich es beim Surfen besonders spannend, dass sich die Bedingungen ständig ändern. Heute zum Sonnenaufgang habe ich beispielsweise mit einem Kumpel in der recht schnellen Welle „Gravière“, und mittags dann in eher massiven aber weniger steilen Wellen auf meinem Egg (einer Art kurzen Longboard) in Les Estagnots gesurft. Gerade, weil sich die Bedingungen so schnell ändern und es hier so viele unterschiedliche Spots gibt, bleibt das Surfen immer spannend. Man ist immer mitten drin im Element und muss sich (und seine Bretter) stets den Bedingungen anpassen. In einem Wavepark mit künstlichen Wellen wäre mir wahrscheinlich relativ schnell langweilig.

 

Triffst Du häufig auf andere Surferinnen?

Seufz! Viel zu selten! Ich freue mich immer ganz unwahrscheinlich, wenn ich ein anderes Mädel im Wasser sehe und fühle mich dann automatisch viel wohler, doch leider ist es (gerade im Winter, bei starker Strömung oder größeren Wellen) immer noch echte Seltenheit, dass Frauen im Wasser sind. Dabei nehmen an den Surfkursen meist mehr Frauen als Männer teil, nur bleiben die Mädels leider häufig nicht bei dem Sport. Wellenreiten ist auch kein einfacher Sport, denn man braucht bei der riesigen Frustrationsrate, die das Surfen mit sich bringt, eine Höllengeduld, wahnsinnige Fitness und darf keinesfalls ein Angsthase sein. Eine Alternative für Frauen ist oft das „Schönwettersurfen“, also das Wellenreiten an Tagen mit kleinen, cleanen Wellen, die mit einem Longboard einfach zu surfen sind. An solchen Tagen sieht man beispielsweise an der Côte des Basques in Biarritz tatsächlich mehr Frauen als Männer im Wasser. Letztere stehen dann eher pfeifend auf der Promenade. Surfen ist dementsprechend nach wie vor ein Sport voller Klischees.

 

Du hast ja kürzlich für uns ganz toll über die SWATCH Girls Pro France berichtet. Was denkst Du über den Profisport Surfen für Frauen?

Es ist immer wieder ein absolut umwerfendes Erlebnis, gute Surferinnen in Action zu sehen, denn Frauen surfen oft anders als Männer. Die Schnellkraft ihrer Muskeln ist nicht so hoch wie bei den Männern, so dass weichere Bewegungen und mehr Eleganz entstehen. Doch bei den Profi- Surferinnen merkt man davon wenig, denn viele von ihnen haben Muskelpakete, bei denen die meisten Männer einpacken könnten und surfen genauso radikal wie ihre männlichen Kollegen. Ich finde es sehr erfreulich zu beobachten, wie selbstverständlich Surfen auch Frauensport geworden ist und wie viele junge Talente es gibt aber auf der anderen Seite ärgere ich mich auch darüber, dass das so ewig lange dauert! Die Preisgelder der Mädels betragen nach wie vor nur einen Bruchteil der der Männer und bei großen Contests kommen die Frauen erst dann dran, wenn die Bedingungen für die Männer nicht mehr gut genug sind. Das ist eine echte Schweinerei aber wirtschaftlich angeblich noch nicht anders machbar.

 

Was kannst Du Anfängerinnen oder Einsteigerinnen empfehlen?

Lasst Euch nicht unterkriegen, Mädels! Erstens nicht wenn die Jungs beim Surfen schneller lernen als ihr - die haben körperlich große Vorteile. Zweitens nicht wenn Ihr mal Angst habt – das ist normal und gehört genauso zum Lernprozess wie das Fallen oder gewaschen werden.

Drittens nicht wenn Ihr frustriert seid – das sind wir beim Surfen am Anfang sehr häufig, doch zu hoher Ehrgeiz hilft nichts, sondern blockiert uns nur. Erinnert Euch daran: Die nächste Welle kommt bestimmt und damit auch Eure nächste Chance.

Ich persönlich habe jahrelang Frustsurfen zelebriert, das heißt, ich war nach jeder Session total unzufrieden, wütend und traurig darüber, dass ich nicht das hinbekommen habe, was ich eigentlich wollte. Im Grunde aber geht es beim Surfen nicht darum, dies oder jenes zu schaffen, sondern den Augenblick zu genießen und die Zeit im Wasser als eine wertvolle Zeit wahrzunehmen. Sobald man damit beginnt, dies selbstverständlich zu finden und sich selbst über eine kleine Welle oder auch mal einen Waschgang zu freuen, wird man lockerer, fröhlicher und Erfolge stellen sich von selbst ein. Freut man sich auf eine heran rollende Welle und paddelt sie positiv gestimmt an, ist die Chance, sie dann auch super surfen zu können meilenweit höher als wenn man mit der „Schaff ich das? Ich kann das doch eh nicht!“-Einstellung ran geht. Deshalb empfehle ich auch, mit Freundinnen surfen zu gehen, denn da ist Spaß im Wasser garantiert und wer sich im Wasser freut, der scored auch ganz einfach die besten Wellen.

 

Wo befinden sich Deine Lieblingsspots und warum?

Jeder hat Lieblingsspots und auch Spots, an denen man sich nicht wohl fühlt, doch ich finde, das kann sich so schnell ändern. Einer meiner Lieblingsspots war Maori Bay an der Westküste von Neuseeland. Dort gibt es eine wunderschöne vorgelagerte Insel und eine große Basstölpel- Kolonie mit wunderschönen Vögeln: Es ist wirklich immer eine einzigartige Stimmung, dort zu surfen! Doch dieses Jahr gab es dort einen tödlichen Haiangriff... uuups! ... da sieht man mal, wie schnell aus einem Lieblingsspot ein Spot großen Unbehagens werden kann. Ich habe mir angewöhnt zu denken, dass der beste Spot immer der ist, wo man gerade surft, denn sonst vergeudet man nur Zeit damit, zu überlegen, wo es gerade besser sein könnte und vergisst ganz, die Schönheit des Augenblicks zu genießen.

 

Was machst Du gern, wenn Du nicht surfen kannst?

Für Nichtsurfer mag das vielleicht einseitig klingen aber das Surfen ist wirklich überall in meinem Leben. Das heißt, dass ich, wenn ich gerade nicht surfe, am liebsten übers Surfen lese, schreibe oder mich darüber unterhalte. Ein Onkel von mir hat schon mal gemutmaßt, dass mich das Surfen vielleicht total verdummt aber ich bin da anderer Ansicht: Surfen ist nicht bloß ein Sport, es hat eine tief verwurzelte Kulturgeschichte, es ist ein Lifestyle, eine Religion, eine Lebenseinstellung, sehr philosophisch und äußerst poetisch. Der umweltbewusste Surfer ist durchaus politisch, seine Liebe zum Reisen macht ihn zum Kultur- und Geographie-Spezialisten und auch seine Fremdsprachkenntnisse sind meist sehr reichhaltig. Viele Surfer sind zudem Künstler, die äußerst inspirierende Werke schaffen, auf und außerhalb der Welle. Meiner Ansicht nach ist Surfen außerdem sehr spirituell, nicht zuletzt besteht doch alles im Leben aus Energie und somit Wellen.

Neben dem Surfen halte ich mich gerne in der Natur auf, fahre Rad oder gehe Schwimmen. Ansonsten genieße ich gerne reichhaltiges Essen (die französische Küche ist wirklich himmlisch!) oder ein gutes Buch in kuscheligen Kissen.

 

Wo siehst Du Dich in 20 Jahren?

Boah, gute Frage. Mit Sicherheit bin ich im Moment da, wo ich bin, weil ich mich sowas nie gefragt habe. Ich habe keinerlei Ansprüche an eine bestimmte Art von Karriere. Ich möchte eigentlich nur eines: Gerne dort sein, wo ich im jeweiligen Moment bin. Das ist doch das Größte, was man erreichen kann, oder? Ach grandios! Ich hab es gerade schon wieder geschafft! Haha!

 

Lebensmotto: So long, and thanks for all the fish! (Douglas Adams)

 

Website: Ich nenne mal die von meinem Surfcamp, dann kommen

vielleicht auch ein paar Gäste ;) www.secretwavesurfcamp.com

 

Kontakt: Ihr könnt mich auf Facebook unter Christina Antje Friedrich finden.