Cosima Sommer

Man kann alles im Leben erreichen, wenn man den Willen und die Zeit mitbringt

Cosima Sommer ist eine leidenschaftliche Kiterin. Sie zählt zu den talentiertesten Nachwuchsdamen in der Kitesurf-Trophy und bestritt in diesem Jahr auch erstmals den MINI  Kitesurf Europe Tourstopp auf Sylt. Dass sie diszipliniert und mit großer Motivation ihre Ziele verfolgte, bringt sie gerade in dieser Saison immer häufiger aufs Podium. Aber so glatt lief es bei der 19-jährigen nicht immer. Nach einem schweren Kiteunfall stand nicht nur ihr Leben auf der Kippe, auch wusste man nicht, ob sie je wieder kiten werden könne. Ihr eiserener Wille und ihr positiver Geist haben sie aber durch diese Zeit gebracht. Heute ist unsere Sprotte des Monats August 2013 engagierter im Kitesport denn je. Neue Projekte und Sponsoren stehen in der Tür. Lasst euch von Cosima inspirieren!

Cosima Sommer - Microsteckbrief

Geburtstag: 17. Februar 1992
Sternzeichen: Wasserfrau
Größe: 174 cm
Wohnort: Odense Dänemark / Flensburg
Beruf: Studentin
Kiten seit: 2009

Erfolge:

 

 

 

2012: 6. Platz Overall Freestyle Kitesurf-Trophy, 1. Platz Fyns Meisterschaft

2013: 1. Platz Kitesurf-Trophy Damp, 2. Platz Kitesurf-Trophy Warnemünde, 3. Platz Kitetour Blåvand

Cosima, wie bist Du zum Kitesurfen gekommen? War es die Nähe zum Meer?

Mein Vater wollte mich immer zum Windsurfen bringen. Ich habe dann auch einen Kurs belegt, aber irgendwie war mir der ganze Kram zu viel Schlepperei. Er wollte aber nicht so ganz aufgeben und hat mir deswegen noch einen Kurs geschenkt, aber als ich ihn beim Kiten gesehen habe, wollte ich das lieber machen. Es hat leider schon seine Zeit gedauert bis ich zwischen meiner ganzen Reiterei Zeit gefunden habe den Kurs zu machen, aber nachdem ich ihn gemacht habe war ich gefesselt. Zum Glück war der 18. Geburtstag nicht weit entfernt, wo ich mir dann als erstes Auto einen Bulli gekauft habe. Und mit dem fahre ich sogar jetzt noch an den Strand.

 

Wie hast Du das Kiten erlernt?

Ich habe zwei Wochen in Dänemark gebucht: eine Woche Kurs und eine Woche begleitetes Kiten. So richtig Kiten lernte ich jedoch einige Wochen später in den Wellen Tarifas.

 

Und dann hat Dich das Kite-Fieber gepackt. Du warst öfter bei den Kite Girls Camps von Kristin Boese. Haben Dich die Camps auf ein höheres Level gebracht und Dir den Anstoß gegeben, akribisch weiter zu üben?

Sie haben mich auf jeden Fall dazu angespornt, mehr Tricks zu lernen und besser zu werden.

 

Was gefällt Dir besonders an solchen Camps?

Die meisten Mädels (ich auch) fahren immer nur mit Jungs zum Kiten. Oftmals dümpelt man da nur so vor sich hin. Bei den Camps wird man dazu motiviert, etwas Neues zu probieren und dazu hat man den direkten Vergleich zu den anderen Girls. Obendrein gibt es viele tolle Tipps. Leider gab es die Camps in den letzten paar Jahren nicht mehr. Doch ab sofort bin ich mit drei anderen Mädels Botschafterin für die Camps und ab nächstem Jahr wird es jeden Monat ein "Chapter" geben: das heisst, da treffen wir uns mit Mädels am Strand, um zusammen zu kiten oder - falls kein Wind ist - zu anderen Aktivitäten.

Auf unserer Facebookgruppe KB4Girls North Germany werden wir dann immer die neusten Veranstaltungen posten oder auf kb4girls.org

 

Man sieht Dich immer strahlen. Und Dein Lächeln steckt geradezu an. Könnte man sagen, Du hast eine positive Einstellung zum Leben?

Ich glaube an das Schicksal. Alles hat einen Sinn und wenn mal etwas nicht so läuft, kann es nur besser werden. Ich finde, man sollte sein Leben geniessen. Ich glaube fest daran, dass man alles im Leben erreichen kann! Manchmal muss man nur etwas warten oder dafür kämpfen. Ich habe immer wieder Situationen, in denen ich mich daran erinnere, dass ich mir genau das schon Mal gewünscht habe. Zum Beispiel letztes Jahr als ich in Thailand bei der Kitetour Asia gestartet bin oder als ich dieses Jahr endlich auf dem Podium der Kitesurf-Trophy stand. Genau diese Momente lösen bei mir mein Lächeln aus.

 

Du bist beim Kiten leider auch schon ein Mal verunglückt. Vielleicht kannst Du uns ganz kurz erklären, was passiert war:

Der Kite lag im Wasser und jemand hat mir geholfen ihn zu relaunchen. Leider waren die Leinen total verdreht und inventiert. Ich wollte den Kite von jemanden landen lassen der vor mir auf einer Steinmole stand. Doch irgendwie hat der Kite gelooped und ich bin 20 Meter nach vorne geflogen und auf der Steinmole gelandet. Glücklicherweise hat sich jemand direkt auf den Kite geschmissen. Ansonsten wäre ich darüber gezogen wurden. Ein Passant war Arzt und leistete sofort Erste-Hilfe. Es sah alles nicht so gut aus, da ich wegen innerer Blutungen sehr viel Blut verloren habe und ausserdem total unterkühlt war.

Die Ärzte haben mich am Anfang auch nicht so sehr motiviert, mehrere Monate im Krankenhaus, nie wieder Kiten oder Reiten, Abi machen kann ich auch erstmal aufs Eis legen. Erst als es mir ganz schlecht ging, hat mich ein Arzt dazu motiviert, zu kämpfen. Nach kurzer Zeit war ich dann schon wieder fit und nach der sowieso eingelegten Winterpause wieder auf dem Wasser.

Das zeigt wieder, dass man nur den Willen haben muss, um etwas zu schaffen.

 

Wenn Du Dich jetzt so daran erinnerst, hatte der Unfall nachträglich etwas Gutes für Dich? War es eine der Erfahrungen, die einen weiter bringt? Sportlich und im Leben?

Ich gewinne aus allem etwas Positives. Nur so kann man sein Leben geniessen. Natürlich hätte ich mir den Unfall gerne erspart, aber er hat mich stärker gemacht und hat mir gezeigt, dass man auch Mal eine Pause im Leben machen sollte.

Beim Kiten vorsichtiger geworden. Vor allem, wenn es um die Spot-Auswahl

geht. Kiten im Winter gehe ich nun nicht mehr. Und mir ist wichtig, anderen die möglichen Gefahren bewusst zu machen und ihr Bewusstsein in puncto Sicherheit zu schärfen.

 

Wann wuchs die Idee in Dir an Wettbewerben wie der Kitesurf-Trophy teil zu nehmen? Und mittlerweile hast Du ja sogar am PKRA Beetle Kitesurf World Cup 2013 in Sankt Peter-Ording mit gemacht...

Als ich das erste Kitemagazin in der Hand hatte. Mir gefiel der Gedanke auch irgendwann in einem Magazin zu sein und einen Titel zu haben. Beim Reiten habe ich damals auch an sehr vielen Turnieren teilgenommen, das lag dann sozusagen auf der Hand. Außerdem ist Kiten ja bekanntlich nicht der günstigste Sport, daher habe ich das als Ansporn genommen gut zu werden um auch Sponsoren zu bekommen.

 

Hast Du bestimmte Ziele, die Du in dieser oder der nächsten Saison erreichen möchtest?

Ich bin sehr glücklich über meinen momentanen 2. Platz in der Gesamtwertung der Deutschen Meisterschaft und habe mein Ziel für diese Saison erreicht. Ich möchte unbedingt mal zum Triple S Invitational in Cape Hatteras. Das ist einer der bekanntesten Wettbewerbe. Dort kann man nur mit Einladung hin oder man ergattert sich eine der begehrten Wildcards. Lust auf die Worldtour hätte ich auch - leider fehlt da (noch) das nötige Geld.

 

Was kannst Du anderen Girls als Einsteigerin in den Wettkampfsport Kitesurfen raten? Einfach mitmachen!

Uns mangelt es leider an Mädels in Deutschland. Man sollte sich am Anfang nicht an den Besten messen, weil sonst wären auch nur die dabei. Probiert es aus, lernt die netten Menschen kennen und lasst euch dadurch motivieren neue Tricks zu lernen, um vielleicht vorne mitfahren zu können.

 

By the way...Was war eigentlich der bisher schwierigste Move? Und was hat er Dir abverlangt?

Den Trick, über den ich am meisten geflucht habe, ist die eingehakte Backroll. Immer ist der Kite in die andere Richtung geflogen als ich. Es endete immer mit einem riesengroßen Klatscher auf dem Wasser. Lustigerweise habe ich erst gelernt mich auszuhaken, bevor ich mich dann endlich an die Backroll heran getraut habe. Jetzt, 10000 Backrolls später, kann ich ihn im Schlaf.

 

An was übst Du jetzt gerade?

Generell übe ich meine Tricks immer und überall und in beide Richtungen zu landen. Neu gelernt habe ich gerade den Back to wraped und der muss jetzt weiter gefestigt werden. Ich hoffe daraus einen Backmobe machen zu können. Das wäre schon was :)

 

Wo kitest Du am liebsten?

In Dänemark: Rømø / „Spot X“

 

Und mit wem?

Mit meinen Boys! Ich sammle immer ganz viele in meinen Bulli ein und los geht ́s.

 

Was machst Du eigentlich, wenn Du nicht kiten gehen kannst?

Ich habe eigentlich immer ziemlich viel um die Ohren, bin immer unterwegs. Im Sommer helfe ich auf Rømø auf einer Ponyfarm aus und bis jetzt war ich ja auch selbst Pferdebesitzerin.

 

Du hattest auch ein Pony, oder? Reitsport und Kiten: Naja, es sähe sicher seltsam aus, wenn man mit seinem Board so spricht wie mit seinem Pony. Aber was ist das tolle an dieser Kombination?

Es kommt schon nicht selten vor dass ich versuche den Kite durch ein „Brrrrrrrh“ zu verlangsamen oder ihn nach einem Trick lobe. Leider lässt sich reiten und kiten schlecht kombinieren. Vor allem, wenn man ein eigenes Pferd hat, da es sehr zeit- und pflegeintensiv ist. Denn man kann sein Pferd nicht einfach stehen lassen nur weil Wind weht. Reiten und Kiten haben sehr viel gemeinsam: bei beiden geht es um Feingefühl, um aufnehmen und nachgeben. Und beides ist mit der Natur vereint!

 

Verrate uns doch noch, was Du am liebsten futterst:

Schokolade und Eis. Ich bin eine echte Naschkatze. Ich liebe Kochen! Vor allem wenn ich andere bekochen kann. Ich werde dann schon Mal zur Mutti. Am liebsten esse ich Gemüse. Fleisch mag ich nicht so gerne. Ausserdem bin ich gegen die Massentierhaltung.

 

Wie sieht ein perfekter Tag in Deinem Leben aus?

Um einen perfekten Tag handelt es sich, wenn ich morgens direkt vom Bett ins Wasser gehen, danach eine kleine Runde reiten kann und abends noch eine Sunset Session mit anschließendem Grillen mit Freunden erlebe.

 

Freunde sind...

wie ein Ort an dem man zurückkehren kann.

 

Ich gehe am liebsten kiten bei...

18 Knoten, flachem Wasser und Sonne in Boardshorts.

 

Ich mag überhaupt nicht...

zu viel Wind und Regen und wenn die Windforecast nicht stimmt.

 

Dafür freue ich mich immer wieder über...

über unverhofften Wind.

 

Angenommen, Du gewinnst heute 1 Million Euro im Lotto. Was machst Du mit der ganzen Knete?

Erstmal investieren, um sie zu verdoppeln. Die eine Million lasse ich dann noch ein Mal verdoppeln während ich mit der anderen die Welt rette.

 

Was macht Cosima Sommer in diesem Winter 2013/14?

Ich habe beschlossen eine Pause in meinem Studium zu machen und werde dann vom September bis November in Brasilien sein. Im Dezember und Januar geht es nach Kapstadt und vom Februar bis Juni werde ich bei der Kitetour Asia mitfahren. Die findet in Vietnam, China, Indonesien, Philipinen und Thailand statt. Das war schon immer mein Traum.

 

Lebensmotto:

Man kann alles im Leben erreichen, wenn man den Willen und die Zeit mitbringt.

 

Sponsoren: Kite-SPEZIAL, Ozone Kites und SU-2 Boards

 

Homepage: www.facebook.com/cosimasommerkiteboarding

 

Fotos: www.benjaminnolte.de