Vier Girls alleine in Marokko

Surfen im Land von 1001 Nacht

Wildes Hupen von allen Seiten, aufgebrachte Gesten von verschleierten Frauen und selbst die Esel mischen mit. Die Straße ist dicht, an Weiterkommen ist nicht mehr zu denken.

Marokko empfängt uns im Chaos: kaum fünf Minuten vom Flughafen entfernt stecken wir mitten auf einer stark befahrenen Kreuzung fest.

Noch vor vier Wochen hätte sich keiner von uns träumen lassen, jetzt hier zu sein. Beseelt von Dauer-Winter und zugefrorener Ostsee, buchten wir spontan einen Flug nach Agadir. Die Idee eines Mädels-Windsurf-Trips mussten wir aufgrund der unvorteilhaften Preis- und Gepäckpolitik der meisten Airlines etwas überdenken und bewaffneten uns stattdessen „nur“ mit Wellenreitern, um die Swells der marokkanischen Atlantikküste unsicher zu machen.

 

Doch zunächst sind wir in einem Heer von Autos auf der Kreuzung gefangen. Der Grund dafür wird uns kurz drauf klar: das „Auto“ vor uns ist einfach ausgegangen.

Unsere Fahrerin Doro bleibt gelassen. Und 30 Minuten und nur ein Mal Verfahren später, erreichen wir unser Basislager Taghazout. Das bunte Fischerdörfchen gilt nicht umsonst als Wellenreit-Zentrum Marokkos: auf etwa 10km Küste reiht sich ein Traum-Spot an den anderen, vom harmlosen Beachbreak bis zum messerscharfen Riff ist alles dabei.

 

Die Bedingungen sind auf unserer Seite: wir genießen fünf Tage lang feinste Wellen bei 25 Grad und Sonnenschein. Die Krönung ist sicherlich ein 12 Fuß Swell in Anchor Point: eine kraftvolle, offene Right die nach gelungenem Take-off scheinbar ewig läuft.

 

Bei drei langen Sessions täglich powern wir uns komplett aus. Was ein Luxus! 3mm Neopren statt 30cm Neuschnee ist die Devise.

 

Die Locals im Wasser kommen uns generell freundlicher vor als anderswo, alle haben gemeinsam Spaß in den Wellen. Als Frau darf man allerdings keinen Blond-Hair-Bonus erwarten – ganz im Gegenteil. Über die Rolle der Frau im Islam möge sich jeder seine eigene Meinung bilden, das Wasser jedoch bleibt ganz klar Männerdomäne. Wir lernen schnell, uns etwas abseits der Jungs zu halten und haben so eine hervorragende Wellenausbeute.

Als Magicseaweed keine Sternchen mehr im Forecast-Rating zeigt, machen wir uns auf den Weg nach Marrakech, der „Perle des Südens“ Marokkos.

Leichter gesagt als getan, schon nach wenigen Minuten werden wir von der Polizei gestoppt: angeblich waren wir 16 km/h zu schnell. Der mürrische Beamte fordert 40 Euro Strafe und droht mit „Tribunal“. Wir bleiben hart. Erst als wir die Schlüsselfrage „Are you tourists?“ mit einem eindeutigen „Yes!“ beantworten können, gibt er sich mit einigen großen Schlücken aus unsere Wasserflasche zufrieden und wünscht uns eine angenehme Weiterreise. Das ist Marokko!

Marrakech macht seinem Spitznamen alle Ehre. Die Stadt am Fuße des Hohen Atlas ist ein Ameisenhaufen aus Menschen, Farben und Gerüchen. Wir tauchen ein in eine Welt aus Schlagenbeschwörern, Gauklern, Gerbern und Gewürzhändlern und verlieren uns im Gewühl der endlosen Souks.

 

Nach 24 Stunden sind wir von neuen Eindrücken absolut übersättigt und fliehen zurück an die Atlantikküste, nächstes Ziel: Essaouira.

Die – zugegeben etwas touristische – Hafenstadt ist weltweit für ihre hervorragenden Windsurf-Bedingungen bekannt. Zu Recht, wie wir finden! Entlang der langen Sandbucht kann man die Wellenhöhe frei wählen: je weiter rechts man einsteigt, umso entspannter die Situation. Am linken Ende laufen dafür sauber geordnete 2 Meter, am besten vielleicht mit einem sehr guten Weißenhaus-Tag vergleichbar. Nachdem wir uns kurz an den Wind von rechts gewöhnt haben, wird es eine traumhafte Session mit 4.0. Die Marokkaner freuen sich über die Chica-Action, und selbst die Kamel-Herde am Strand schaut interessiert zu.

Mal wieder sind Wind und Wellen auf unserer Seite und so nutzen wir den großen Swell, um Moulay und Sidi Kaouki zu checken.

Moulay liegt etwa eine halbe Stunde nördlich von Essaouira. Was dem „Dorf“ an Land an Infrastruktur fehlt, macht es auf dem Wasser drei mal wieder wett. Wie gemalt brechen masthohe Wellen auf die Riffplatten und laden zu 3-4 Turns ein – vor traumhafter Kulisse.

 

Auch Sidi Kaouki hat seine Reize. 5 km Sandstrand empfangen freundlich laufende, lang gezogene Wellen, dazu bläst der Wind Cross-Off. Die Locals des originalen Örtchens schwärmen von großen Tagen, zuverlässiger Windausbeute und den wiederbelebenden Massagen nach der Session.

Langsam neigt sich unsere Zeit im Land des süßen Pfefferminztees und der Taginen dem Ende zu. Wir beschließen, für die letzten zwei Tage nach Taghazout zurückzukehren. Der Ort hat es uns wirklich angetan!

Insgesamt hat uns beeindruckt, wie unkompliziert und gastfreundlich die Menschen sind. Egal wo wir hinkamen, wir wurden freundlich begrüßt, und es wurde nie zu aufdringlich.

 

Den Rückweg zum Flughafen schaffen wir ohne größeres Verkehrs-Chaos. Allerdings nicht ohne Eselkarren, die uns auf der Überholspur der Autobahn entgegen kommen.

 

Mai alslama – Auf Wiedersehen Marokko, es war bestimmt nicht das letzte Mal!

 

Autorin / Fotos: Kati Breucker