Einführung in das Wellenreiten

Caro Weber hilft euch in die Königsdisziplin

Spätestens wenn man das erste Mal einen ordentlichen Cutback gefahren hat und der Wellenschub einen zurück in Richtung Strand drückt, will man nur noch eins: Wellenabreiten! Doch bis man es schafft die Wellen in vollster Perfektion zu zerlegen dauert es schon ein bisschen und man wird schnell feststellen, dass man nie aufhört dazu zu lernen. Vor allem der Anfang ist schwer. Da man nicht nur lernen muss die Wellen abzureiten, sondern auch lernen muss wie man die Wellen liest und wie man zunächst am besten rauskommt ohne zuviel Kraft in endlos scheinenden Schwimmeinlagen zu lassen.

 

Wer mit dem Surfen in der Welle beginnen möchte, der sollte aus Grundvoraussetzung den Beach- und Wasserstart sehr sicher können und keine Angst vor Wasser haben.

 

Caro Weber feierte im Jahr 2011 ihr PWA Debüt beim RENO Windsurf World Cup auf Sylt und nahm ebenfalls an den Supreme Big Days teil. Auch in diesem Jahr nahm sie an den Damen Wave Events der PWA Tour auf Teneriffa und Sylt teil und beendete ihre Saison mit einem 9. Platz in der Rangliste. Unterstützt wird Caro alias "pinksurfer" von Patrick Boards, Sailloft Hamburg, Strumplå, Xcel und Nordswell Clothing.

 

Informieren

Wenn man neu an einen Spot kommt, ist es wichtig sich einen Überblick zu verschaffen. Wie ist die Strömung? Gibt es Untiefen oder Felsen im Wasser? Wie laufen die Wellen? Ratsam ist es, wenn man Locals vor Ort fragt oder die Surfer auf dem Wasser beobachtet.

Materialwahl

Wenn der Wind auflandig weht, ist es zumeist ratsam eine Segelgröße größer zu wählen als man eigentlich fahren würde oder mehr Bauch in das Segel zu trimmen. Somit hat man genügend Druck im Segel, um sicher raus zu kommen. Bei wenig Wind oder Abdeckung vor Land ist es ratsam ein etwas größeres Board zu wählen, um entspannter hinausfahren zu können. Um besser Angleiten zu können, kann man die Finnen weiter nach hinten setzen. Allerdings dreht das Board dadurch schlechter. Oftmals fahren Windsurfer, die in der Welle unterwegs sind lange Trapeztampen (30-36er). Dies hat den Vorteil, dass man sich nicht ständig ein und aushaken muss, wenn man die Wellen quert.

Ein- und Ausstieg

Bevor es losgeht, sollte man sich etwas Zeit nehmen das Wasser zu beobachten. Dies ist ja nach Spot mehr oder weniger zeitintensiv. Man sollte schauen, wo und wie die Wellen brechen. Brechen sie auf einer Sandbank und/oder direkt auf den Strand? Gibt es einen Teil, wo sie gar nicht brechen? Brechen sie hohl (close-out) oder laufen sie flach aus? Gibt es an diesem Spot Swell und wenn ja, wie viele Wellen hat ein Set und wie ist der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Sets?

 

Wenn man diese Checkliste abgearbeitet hat, kann es losgehen. Dabei wählt man zum Einstieg am besten die Stelle, wo die Wellen weniger stark brechen. Oder man beobachtet die anderen Surfen, wo und wie sie ins Wasser gehen und tut es ihnen gleich. Wichtig ist, dass man sich beim Losfahren beeilt und immer die Wellen im Blick hat. Wenn man zum Beispiel in Gebieten mit Swell wie beispielsweise in der Bretagne oder Kapstadt surfen möchte ist für den Einstieg wichtig die Anzahl der Wellen pro Set zu kennen. Zählt man zum Beispiel 3 Wellen pro Set, dann sollte man losfahren, wenn die zweite Welle des Sets bricht. Bis man am Weißwasser angekommen ist, sind alle Wellen gebrochen und es ist wesentlich einfacher hinaus zu gelangen.

 

Beim Anlanden, sollte man darauf achten, dass man immer auf dem Rücken der Welle auf den Strand fährt, da die Wellen oftmals das Wasser vor ihr wegsaugt und man auf dem Trockenen stehen kann. Unnötige Materialschäden können so verhindert werden. Auch hier gilt, wie auch beim Losfahren, dass man sich beeilt und sein Material zügig an Land trägt.

Oftmals hat man an guten Wavespots mit ordentlich Weißwasser zu kämpfen, dass einem Geschwindigkeit nimmt und das Board nicht mehr richtig greifen lässt. Um entspannt diese Passagen zu überfahren sind drei Dinge wichtig: Geschwindigkeit, Board- und Segelsteuerung!

 

Je nach Spot und Windbedingungen fallen diesen Punkten unterschiedlich starkes Gewicht zu. An den gängigsten Nord- und Ostsee-Spots ist Geschwindigkeit am wichtigsten! Sofort nach dem Losfahren fällt man etwas ab, um ins Gleiten zu kommen. Dabei sollte man auch auf die Fußsteuerung achten. Das vordere Bein ist durchgestreckt und drückt nach vorne, um das Board flach auf dem Wasser zu halten. Wenn man Geschwindigkeit aufgenommen hat, zieht man rein, d.h. man fährt wieder auf normalen Kurs und nimmt die normale Beinhaltung ein. Kommt der Wind auflandig (onshore), überfährt man die Wellen dabei im 45° Winkel. Wenn der Wind von der Seite kommt (sideshore), überfährt man die Wellen am besten in einem 90° Winkel.

 

Beim Queren der Wellen schiebt man das Rigg am besten vor und bringt seinen Körperschwerpunkt über die Mitte des Board. Am Scheitelpunkt der Welle, wenn man wieder hinunter fährt, wandern Rigg und Körperschwerpunkt wieder nach hinten.

 

Wenn man nicht genügend Druck hat, um ins Gleiten zu kommen, sind Board- und Segelsteurung enorm wichtig, um hohe Wellen zu passieren. Dabei ist es sehr hilfreich vor der Welle etwas abzufallen und anzupumpen, um etwas mehr Geschwindigkeit und Druck ins Segel zu bekommen.

 

Zum Queren der Wellen stellt man das Board durch Belastung des hinteren Fußes steil. Der brechende Teil der Welle trifft das Board nun von unten (siehe Bild oben rechts). Diese Kraft nutzt man jetzt, um über die Welle zu kommen. Nun, schiebt man das Rigg nach vorne und verlagert den Körperschwerpunkt auf die Boardmitte. Dabei beobachtet man aus dem Augenwinkel das Wasser, um festzustellen, ob die nächste Welle naht.

Vorfahrtsregeln

Es ist immer nett, wenn man die Etiketten des Waveridings berücksichtigt. Generell hat derjenige Vorfahrt, der sich zuerst auf der Welle befindet. Sind mehrere Leute auf einer Welle, hat derjenige Vorfahrt, der sich näher am brechenden Teil befindet. Reinfahren (droppen) in eine Welle auf der schon jemand fährt ist ein absolutes no-go! Freundlicherweise lässt man beim Rausfahren die Jungs und Mädels vor, die gerade eine Wellen abreiten. Wenn man als Mädel eine Welle abreiten möchte, kommt es ab und zu vor, dass die Jungs sich die Welle wegschnappen oder euch rausdrängeln, da sie nicht damit rechnen, dass ein Mädel die Welle abreiten möchte. Am besten bleibt man standhaft, sofern sich keine Kollision anbahnt, oder man spricht denjenigen nett am Strand an.

Wellen finden

Auch wenn es vom Strand immer so einfach ausschaut, es ist nicht ganz einfach gute Wellen abzugreifen. Wichtig ist, dass man auf dem Wasser lernt die Wellen zu “lesen”, also die Wogen vor dem Punkt, wo die Wellen brechen, beobachtet. Kann man sicher Halsen oder Wenden, kehrt man direkt vor einer Woge um und fährt mit dieser mit bis sie sich zu einer Welle aufbaut und man sie abreiten kann. Wenn man in Gleitfahrt auf dem Weg zum Strand ist, schaut man links und rechts nach sich aufbauenden Wellen. Zumeist sollte man sein Tempo drosseln, um von der Welle eingeholt zu werden. Dann passt man seine Geschwindigkeit der Welle an und bleibt im oberen Teil der Welle. Gerade am Anfang ist es schwer, die schönen und sauberen Wellen heraus zu lesen. Hier zählt jede Welle mitzunehmen. So lernt man schnell und ist weniger frustriert.

Was tun beim Waschgang

Wenn man feststellt, dass man nicht mehr über die Welle drüber kommt, sollte man niemals sein Material loslassen. Immer an der Gabel festhalten. Es wird das ein oder andere Mal vorkommen, dass man von einer Welle gewaschen wird. Wichtig ist, dass man immer die Ruhe behält und nicht panisch anfängt zu schwimmen. Man kommt immer fast von alleine an die Oberfläche. Nach kurzer Orientierung sollte man schnellst möglich versuchen zum Material zu schwimmen. Bleibt einem für einen Wasserstart keine Zeit, sollte man darauf achten, dass das Material nicht zwischen einem selbst und der Welle ist. Am besten ist es, wenn man das Segeltop leicht unter Wasser drückt und so die Welle über das Material läuft. Man kann aber auch versuchen, dass Material Board vorraus über die Welle zu schieben, was aber meist in Harrakiri-Aktionen mündet (siehe Bild).

 

Text: Caro Weber

Fotos: Claudius Hofbauer, Alex Zachen und Andreas Kühn