Steffi Wahl

Do what you love, Love what you do!

Unsere Sprotte des Monats Februar 2014 stand mit zehn Jahren zum ersten Mal auf einem Windsurfboard und kam dann nie wieder davon los. Mittlerweile macht sie fast alles, nur um im Element Wasser sein zu können: Sie lebt am Strand, geht Wellenreiten, Kiten oder Stand Up Paddling. Kürzlich wurde sie von den Lesern der „surf“ auf Platz drei zum „Surfer of the Year“ gevotet. Ihre PWA Saison hat Steffi Wahl in 2013 mit einem hervorragenden 4. Platz in der Disziplin Wave abschließen können. Steffi setzt sich zudem leidenschaftlich für Wale, Delfine und aktiven Schutz unserer Meere ein. Wir sprachen mit Deutschlands erfolgreichster Soul-Surferin.

Steffi Wahl - Microsteckbrief

Segelnummer: G-303
Geburtstag: 1. Juni 1978
Sternzeichen: Zwilling
Größe: 173 cm
Wohnort: Schönberg
Beruf: selbstständig www.swprojekt.com
Windsurfing seit: gefühlten Ewigkeiten. Ich hab mit 10 angefangen und so richtig seit ich in Kiel wohne.

Hi Steffi, Du gilt´s seit Jahren als Deutschlands erfolgreichste Windsurferin. Kannst Du Dich noch an Dein PWA Debüt erinnern? Wann war das? Und was fasziniert Dich an der Profi-Serie so, dass Du bis heute jedes Jahr dabei bist?

Mein PWA Debut war 1997. Ich war damals auf Sylt nach dem Abi, einfach nur so zum Windsurfen lernen. Ich konnte bei einem Schulkollegen im Ziviheim mitwohnen und endlich mal in der Welle fahren lerne. Diese Zeit hat auch meine Liebe zu Sylt geprägt. Jeden Tag über die Insel radeln, in den Wellen spielen, einfach nur glücklich sein. Das war echt schön. Ich war weit davon entfernt irgendein Sprung zu stehen und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen da mitzufahren, aber im Frauenfeld im Wave waren damals nicht genügend Mädels, so hab ich die Lücke gefüllt.  

Gefühlte 100 Jahre später fahre ich immer noch mit. Die Jahre während meines Studiums bin ich nicht alle Tourstopps mitgefahren, meistens nur Sylt, weil es in Deutschland ist. Ich habe das spontan von Jahr zu Jahr entschieden, ob ich Lust habe und ob es etwas bringt. Die letzten 3 Jahre hatte ich tierischen Spaß auf der Tour und ich würde mir mehr als drei Events für uns Mädels wünschen. Mich bringt das Surfen im Wettkampf mehr weiter als freisurfen. Ich traue mich mehr und deswegen macht es mir so viel Spass.

 

Im vergangenen Jahr hast Du die PWA Rangliste mit einem tollen 4. Platz im Damen Wave beenden können. Wenn man sich mal vor Augen hält, dass nur die Moreno´s und Karin Jaggi vor Dir liegen, welche alle 100 % Profis sind, ist das eine wahnsinnige Leistung. Bist Du selbst auch mit Dir zufrieden oder packt Dich da eher der Ehrgeiz, es noch aufs Treppchen zu schaffen?

Och, natürlich würde ich gerne mal wieder aufs Treppchen. Zumindest bei einem Event. Aber ich bin ja realistisch. Und es müssen einfach noch mehr Sprünge richtig und hoch sitzen, damit das was wird. 

 

Du hast offensichtlich viele Fans. Denn erst kürzlich haben Dich die Leser des „surf“ Magazins beim „Surfer of the Year“ Award auf den 3. Platz gleich hinter Philip Köster und Leon Jamaer gewählt. Mit 11 % der Stimmen hast Du damit die höchste Wertung einer Dame in dem Voting erhalten (zum Vergleich: Gewinner Philip Köster bekam 25% der Stimmen). Wie fühlt man sich da?

Ich war total baff. Ich hätte nie gedacht, dass mich die Leser auf den dritten Platz wählen. Das ist total schön und zeigt, dass Frauen – Windsurfen auch respektiert wird. Das ist eine große Ehre für mich.

 

Du bezeichnest Dich selbst als semi-professionelle Windsurferin. Wie können wir das verstehen? 

Eine professionelle Windsurferin würde Geld mit ihrem Sport verdienen. Das tue ich leider nicht, bzw. habe mich dazu entschieden Geld mit einer normalen Arbeit zu verdienen und so gut und so lang es geht die PWA Tour mitzufahren. Ich habe tolle Sponsoren, die mir das ermöglichen. Und auch tolle Kunden, die mein Windsurfen gut finden. Das denke ich zumindest :)

Man kann sich ja immer fragen, was wäre wenn... aber das habe ich abgelegt. Manchmal würde ich gerne auch „nur“ surfen, mir wäre definitiv nicht langweilig dabei und hätte noch 1000 andere Projekte, die ich vorantreiben würde, wenn ich so viel Zeit hätte. Aber ich habe mich für diesen Weg entschieden und der ist gut so. Solange ich meinem Anspruch gerecht werde, möchte ich auch noch ein bißchen bei Wettkämpfen dabei sein.

 

Wie und wann bist Du überhaupt zum Windsurfen gekommen, Steffi?

Mein Papa ist früher sehr begeistert gewindsurft. Wir waren im Sommer mit der Familie in den Ferien immer irgendwo zum surfen. An Ostern auf Sardinien und in den Sommerferien in Tarifa. Das hat mich geprägt und ich wollte es irgendwann auch lernen. Schön war, dass ich eigentlich direkt mit dem Wasserstart angefangen habe, da in Tarifa immer so unglaublich viel Wind war. Da ist mir das ganze Hochgezerre erspart geblieben und es hat mich total begeistert.

 

Wie hat der Sport Dein Leben verändert? Immerhin hast Du Dir ja sofort nach dem Abi einen Studiumsplatz in Kiel nahe der Ostsee gesichert. Und heute lebst Du fast am Strand.

Früher war für mich Skifahren und Snowboarden mein Ein & Alles. Von Oktober bis April ging es in die Berge und ich habe nicht an das Windsurfen gedacht. Als ich aber das erste Mal in Wellen unterwegs war, hat sich das Blatt gewandelt. Ich wollte unbedingt ans Meer und habe folglich mein ganzes Leben danach ausgerichtet. In den Bergen zum Skifahren  war ich seit ich in Kiel wohne vielleicht noch 4 Mal... das kann man an einer Hand abzählen. Ich vermisse es auch nicht. Ich möchte meine freie Zeit viel lieber am und im Meer verbringen. Egal bei welcher Wassersportart. Ich habe auch seit geraumer Zeit wellenreiten für mich entdeckt und mittlerweile mache ich das genau so gerne wie windsurfen und würde auch für eine gute Session mal den Wind sausen lassen.

 

Was ist Dir wirklich wichtig?

Spass und Freude bei einer Sache zu haben. Nichts ist schlimmer als verkrampfte Leute, die nur auf Anerkennung von anderen warten und hoffen. Ich möchte Dinge für mich tun und nicht für andere. Ich möchte mit mir selbst zufrieden sein, bei allem was ich tue und ich möchte mich nicht rechtfertigen müssen. Mir müssen meine Hobbies Spass machen, wenn dabei noch ein schönes Foto als Erinnerung rauskommt, dann ist das toll, aber nicht notwendig. Wenn ich in der Zeit schöne Bilder von anderen machen kann, dann habe ich da auch Freude dran. Mir ist wichtig, dass ich meine Zeit genieße. Die Welt ist so schön und man darf sich nicht so viel ärgern. 

 

Neben dem Windsurfen zieht es Dich immer wieder zum Wellenreiten aufs Wasser. Was schätzt Du so am Surfen?

Am Surfen liebe ich die Einfachheit. Man hüpf in den Neo, Brett unter den Arm und los gehts. Es ist so schön sozial und einfach nur entspannend. Man kann sich mit Freunden in die Wellen setzen und nebenbei ein bißchen Kaffeeklatsch halten, man kann aber auch ab vom Trubel einfach nur die Wogen, das Wasser und die Stimmung genießen. Es gibt fast nichts beruhigenderes als Wellenreiten. Wenn dann noch die Sonne auf- oder untergeht, dann bin ich echt gerührt und freue mich, dass ich so etwas schönes erleben darf. Manchmal geht es soweit, dass ich Wellenreiten auch dem Windsurfen vorziehe, weil es einfach nicht so hart ist. 

 

Was machst Du, wenn weder Wind noch Wellen vorhanden sind?

Es gibt ja bekanntlich immer was zu tun. Und die Leute, die sagen, ohne Arbeit ist langweilig verstehe ich nicht.  Ich gehe sehr gerne alleine mit meinem Hund spazieren und genieße die Ruhe. Ich habe einen Garten, da kann mich sich austoben und einfach mal nichts tun ist auch schön. Kaffeetrinken mit meiner besten Freundin geht auch ganz gut!

 

Was liegt Dir besonders am Herzen?

Das klingt jetzt etwas abgedroschen, aber mir liegt das Meer besonders am Herzen. Das Meer und alle seine Bewohner. Wir müssen drauf aufpassen und es bewahren. Es muss uns allen bewußt werden, dass das was man ins Meer kippt irgendwann wieder bei uns landet. Sei es der Müll, sei es das Abwasser.... alles. Aus den Augen aus dem Sinn funktioniert hier nicht. Wenn es keine Haie mehr gibt, weil der Mensch meint, er müsse sie mit Ködern (wie in Australien) jagen, nur weil der Mensch in ihren Lebensraum eingedrungen ist, dann funktioniert die Nahrungskette nicht mehr. Wenn der Mensch denkt, er könne mit riesigen Fish-Trawlern überall alles leerfischen, dann gibt es irgendwan keine Nahrung mehr. Weder für den Menschen, noch für die anderen Fische. Mir ist wichtig, dass es irgendwann mal ankommt, dass wir nicht nur kurzfristig denken. Das gilt für alle Bereiche. Die Erde ist so schön und hat es nicht verdient, dass wir sie so zerstören.

 

Wie sieht Dein Traumurlaub aus?

Mein Traumurlaub? Uii... da gibt es einige Varianten. Einsam sollte es sein, mit meinen beiden Liebsten. Am besten sollten sich irgendwo in einer rauhen Umgebung mit Felsen und grünem Gras und hügeliger Landschaft ein paar Pointbreaks um die Felsen laufen und wir mit dem Bus mitten drin. Am besten immer bis 15 Uhr windstill und abends noch 2 Stunden Wind für 4,2. Das wäre perfekt. Ach, gegen Palmen wäre auch nichts einzuwenden, das ist aber dann eine andere Variante. Ehrlich gesagt, finde ich unsere Urlaube immer schon sehr perfekt. Es ist immer anders und immer schön.

 

Was wünscht Du Dir für Deine Zukunft?

Ich wünsche mir, dass wir alle gesund bleiben und noch lange spielen dürfen.

 

Was rätst Du Girls, die gerade mit dem Windsurfen anfangen?

Nicht am Material sparen und direkt mit dem Beachstart anfangen :) Das funktioniert, habe ich schon an einem Versuchskaninchen getestet und man spart sich einige Frustration. Eine Surfschule besuchen ist auch toll.

 

Gab es eigentlich ein Manöver, bei dem Dir graue Haare gewachsen sind?

Es wachsen noch graue Haare beim Backloop. Wie Klaas mir mal sagte, man muss davon mehr als 100 machen, bevor es in die richtige Richtung geht........

 

Lieblingsspots:

Dänemark hoch & runter

 

Lieblingsmove:

Table Top, weil man den so schön verdrehen kann.

 

Erfolge:

4. Platz PWA Wavetour 2013

5. Platz PWA Wavetour 2012

Deutsche Meisterin Speedsurfen 2010

3. Platz PWA Sylt 2007

 

Sponsoren:

Sailloft Hamburg, Patrik, Reno

 

Lebensphilosophie:

Do what you love, Love what you do!

 

Homepage:

www.steffiwahl.de

 

WDCS (Whale and Dolphin Conservation)