Anissa Mohrath

Die Dänin ist ein Regatta-Import-Schlager mit Charme

Zur Abwechslung kommt unsere Sprotte des Monats Oktober 2014 mal nicht aus Deutschland. Dafür spricht die Dänin Anissa Mohrath fließend Deutsch mit einem charmanten Akzent und beherrscht sonst eine unmissverständliche Sprache. Nämlich die des erfolgreichen Windsurfens. Anissa startet nicht nur in Dänemark, sondern auch beim DWC. Sofern sie nicht verletzt ist. Zudem ist die 23-jährige sehr kreativ. Sie musiziert und kocht liebend gern. Vor allem hat sie eins: richtig Biss!

Anissa Mohrath - Microsteckbrief

Segelnummer: DEN - 85
Geburtstag: 23. Juni
Sternzeichen: Krebs
Alter: 23 Jahre
Wohnort: Kopenhagen

Beruf:

 

Studentin der Geophysik am Niels-Bohr-Institut (Universität Kopenhagen)

Windsurfen seit:

 

2007

Sponsoren:

 

Gaastra, Red-gull.com, Giba Travel, Windheller-protoypes, Foliekniven.dk.

Anissa, wie bist Du zum Windsurfen gekommen?

Ich habe immer schon Wassersport auf einem wettbewerbsfähigen Niveau gemacht. Zunächst Schwimmen und Wasserpolo. Aber das Wasserpolo-Team war zu klein, wurde aufgelöst und ich musste eine neue Sportart finden. Ein Freund in der Schule ging Windsurfen und ich versuchte es mit ihm - zum ersten Mal im Sommer 2007. Ich begann in meinem damaligen Alter von 16 Jahren völlig unangemessen mit einem Kinderrigg in 3,2 und einem leichten Aluminiummast.

 

Aber schnell war klar, dass Du mehr willst. Und heute bestreitest Du dänische, deutsche und internationale Regatten mit guten Platzierungen. Warum bringt Dir das Regatta fahren so viel Spaß?

Ich bin und war schon immer ein Wettbewerbs-Mensch. Zudem ist es lustig, denn durch die Teilnahme an den Regatten verbessert man sich schneller. Es ist eine erstaunliche Erfahrung, sich Ziele für die Saison zu setzen, dafür zu kämpfen und diese zu erreichen: Mission complete! 

 

Wie war Dein Einstieg in die Regatta-Szene?

Ich begann mit der Young Gun Regatta in Dänemark, musste aber rasch in die Ranglistenregatten aufsteigen, da die Young Gun Serie nicht genug Teilnehmer hatte. Das war ein großer Schritt. Nach zwei Jahren mit kleinen Jugend-Segeln plötzlich in der normalen Klasse anzutreten mit dem großem Material, war sehr schwer. Aber ich kämpfte. Ich bin nicht der Typ, der aufgibt.

 

Warum fährst Du überwiegend Race und Slalom? Startest Du auch in der Welle?

In erster Linie liebe ich einfach Formular und Slalom! Denn ich liebe die Geschwindigkeit und das Schönste, was ich mir vorstellen kann, ist mit meinem Formular Equipement bei Wind um die 10 Knoten und Sonnenschein zu windsurfen und dann einfach übers Wasser zu gleiten. Aber es ist zu langweilig, nur an einer Disziplin fest zu hängen. Und ich finde es toll bei entsprechenden Bedingungen aufs Slalom-Material umzusteigen. 

Rein theoretisch würde ich gern versuchen in der Welle zu starten, aber ich habe weder das Geld für weiteres Material noch den Platz das Zeug in meinem kleinen Auto zu transportieren. Auch zu Hause fehlt es an Lagerplatz für so viel Windsurf-Material. Und dann wäre da noch die weitere Trainiszeit. Um in der Welle starten zu können, muss man schon gezielt dafür trainieren und diese Zeit würde mir dann für mein intensives Formular und Slalom Training fehlen.

 

Was war Dein größter persönlicher Erfolg? Hattest Du bei einer Regatta einen Durchbruch oder endlich ein lang ersehntes Ziel erreicht?

Das war bis jetzt eindeutig die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Lettland im Jahr 2012 in der Disziplin Formula. Zu dieser Zeit war ich noch am Anfang meiner Karriere und hatte hohe Erwartungen gesetzt - höher als das, was ich in den Leichtwindbedingungen erzielen konnte. Es war mein internationales Debüt und mein Kick-Start, nun an allen deutschen Regatten (DWC Tour) teil zu nehmen.

 

In diesem Jahr hast Du Dich aber leider verletzt und musstest dem Treiben auf dem Wasser viel zusehen? Was war Dir passiert?

Ich riss mir die Bänder an meinen Daumen und konnte so den Gabelbaum nicht in der Hand halten. Gips statt Grip. Ist mir beim Breakdance passiert, was ich gern mache, da es auch die Rumpfmuskulatur stärkt. 

 

Wie hast Du die Zeit überbrückt? Ich habe gesehen, dass Du unter anderem Event-Videos vom DWC und der dänischen Serie gedreht hast.

Nach der Verletzung war es unglaublich schwierig für mich, am Strand zu stehen und die anderen beim Windsurfen zu beobachten. Das tat schon weh. Also suchte ich nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten und kam auf die Idee, kleine Videos zu machen. Nachdem ich etwas mit Windsurf- und Mountainbike-Videos geübt hatte, begann ich Events wie die Deutschen Meisterschaften auf Sylt (Volvo Surf Cup 2014) zu filmen und zu schneiden. Eine Regatta von 5 Tagen mit viel Action auf dem Wasser, die ich mit meiner Gopro3 Kamera für je einen Kurzfilm pro Tag einfangen musste. Aufgrund meiner kleinen Ausrüstung muss ich eben immer etwas einfallen lassen, um keinen wichtigen Moment zu verpassen. Die Videos bekommen großen Zuspruch. Das freut mich.

 

Bist Du jetzt wieder fit und was sind Deine nächsten Ziele?

Ich machte zu Hause viele Übungen, so dass ich mich den ganzen Sommer über fit halten konnte. Seit September trainiere ich wieder im Fitness Center  mit meinem Personal Trainer, der mich sehr motiviert. Kraft und Kondition bekomme ich dank Cross Training, Cross Energy und TRX. Ich finde es schwer, alleine zu trainieren. Mit meinem Trainer kann ich die besten Resultate erzielen. Und jetzt im Oktober begann ich auch endlich wieder mit dem Windsurfen und es ist so schön! Nächstes Jahr möchte ich wieder beim DWC teil nehmen und auch bei der PWA starten. Dafür suche ich noch weitere Sponsoren.

 

Wenn Du nicht Windsurfen kannst, ist von Langeweile aber keine Spur. Du bist ja eine richtige Power-Frau.

Ich liebe es einfach, mich selbst herauszufordern und mache viele andere Sportarten, die ein bisschen wild sind wie Skateboarden, Mountainbiken oder Skifahren. Aber ich spiele auch Musik - viele verschiedene Instrumente und ich mache meine eigene Musik. Ich liebe es, kreativ zu sein. Meine größte Leidenschaft neben Windsurfen ist jedoch Essen. Ich liebe es zu kochen und ein paar schöne und leckere Gerichte zu kreieren.

 

Hui, das ist aber viel. Welche Art von Musik machst Du denn?

Ich habe mich bisher mit Pop-Musik beschäftigt, aber in diesem Jahr habe ich  Rap und Hip-Hop für mich entdeckt. Ich bin nicht die größte Sängerin und würde mich eher als Songwriter charakterisieren. Da ich aber keine Band habe (und nebenbei auch keine Zeit, um eine zu haben), kreiere ich meine Songs selbst und singe sie auch.

 

Hier eine Kostprobe von Anissa´s Musik:

Und wie kommt es, dass Du so leidenschaftlich gern kochst?

Ich liebe einfach gutes Essen, das köstlich schmeckt. Im letzten Jahr habe ich mich sehr damit befasst, wie man sich als Sportler richtig ernährt und mir bewusst gemacht, was ich esse. Ich bin der Meinung, dass unser Leben viel zu kurz ist, um sich schlecht zu ernähren. Man sollte gutes Essen und das Leben auskosten und genießen. Meine Leidenschaft für Essen ist so groß, dass ich sie gerne anderen Menschen teilen möchte und wir uns gegenseitig inspireren. Dazu habe ich eine Facebook-Seite namens "Kitchen Perfection" erstellt. 

 

Interview: © Nadine Lenschau