Wind & Waves Festival in Pozo schon beendet

Schon nach 2 Tagen ist Pozo entschieden - hier Lina´s Bericht

Alle Teilnehmer des Wind & Waves Festivals in Pozo
Alle Teilnehmer des Wind & Waves Festivals in Pozo

Hui, so schnell war ein World Cup schon lange nicht mehr entschieden. Bereits nach 2 Tagen konnte in Pozo sowohl die Single Elimination und die Double Elimination der Herren und Damen ausgefahren werden. Und dabei wurde auch noch kräftig Windsurfgeschichte geschrieben: Philip Köster zeigte den ersten Triple Forward Versuch im World Cup und wurde nicht nur deshalb zurecht Erster. Bei den Damen bewies Daida Ruano Moreno wieder einmal, dass nur sie die Queen von Pozo sein kann. Hier der Bericht unser jungen deutschen Teilnehmerin, Lina Erpenstein, die am Ende auf einem glücklichen neunten Platz landet.

Tag 1 - Sonntag - Single Elimination

In Pozo Izquierdo auf Gran Canaria scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen. Kaum nach meiner Ankunft war er auch schon da, der große Tag: Der Start des Wind and Waves Festivals 2015.


Los ging´s erst einmal mit frühem Aufstehen. Denn aufgrund guter Vorhersage für die ersten beiden Tage setzte die PWA die Einschreibung kurzerhand auf 8 Uhr morgens - eine Uhrzeit zu der der Großteil des Dorfs Pozo normalerweise noch tief schläft. Nachdem ich mich eingeschrieben hatte, wurden mir noch jede Menge Segelsticker und das Eventlycra in die Hand gedrückt. Dieses punktet dieses Jahr besonders bei den Mädels. Komischerweise kam die Farbmischung aus rosa und babyblau bei den Jungs nicht so gut an.


Das erste Skippersmeeting sollte um 9.30 abgehalten werden. Also hatte ich bis dahin Zeit meine Segel zu stickern. Das gestaltet sich gar nicht so einfach. Denn für die Riesenaufkleber muss man erst einmal Platz finden im 3.3er Segel! Beim Skippersmeeting erfuhr ich dann, dass es mit den Trials losgehen sollte und danach die gesamte Single Elimination der Männer folgen sollte. Das hieß für mich und alle anderen Mädels, zurücklehnen und genießen.


Der Wind lies dieses Jahr nicht auf sich warten und so blies es bereits seit morgens mit über 50 Knoten und auch Wellen von über 2 Meter rollten in die Bucht. Perfekte Bedingungen für den Start!


Bereits die Trials waren auf unglaublich hohem Niveau. Besonders Dieter Van der Eyken und der erst 15-jährige Loick Lesauvage überzeugten. 

In der ersten Runde des Main Events konnten sich der deutschstämmige Kanare Alessio Stillrich, Dany Bruch und Klaas Voget jeweils gegen ihre Gegner durchsetzen und somit in die nächste Runde vorrücken. Vor allem Dany Bruch fiel mit hohen one-footed Backloops und Doubles auf und besiegte so auf seinem Weg zur Spitze Ex-Weltmeister Marcilio Brown und Antoine Martin. Erst Alex Mussolini konnte Dany im Halbfinale stoppen. Im späteren kleinen Finale sicherte sich Bruch dann auch noch den 3. Platz gegen Traversa.


Ein weiterer Deutscher, der immer auf sich aufmerksam macht, ist natürlich Philip Köster. Dieser fuhr souverän seinen Weg bis ins Halbfinale und schaltete auf seinem Weg Konkurrenten wie Campello und den Weltmeister Traversa aus.


Nach dem Halbfinale sollte nun eine Pause gemacht werden und dann doch mit der Single Elimination der Frauen angefangen werden. Ich bekam diese Info zum Glück rechtzeitig und schleppte mein kleinstes Material und Ersatzsegel an den Strand. In voller Montur samt rosa Eventlycra konnte ich beobachten wie sich Steffi Wahl im ersten Heat gegen die 17 jährige Nicole Bandini durchsetzte. Sarah-Quita Offringa besiegte AWT Siegerin Ingrid Larouche.


Nun war ich an der Reihe. 12 Minuten Vollgas. Gegen: Iballa Moreno. Weltmeisterin. So ging ich weitestgehend ohne Stress in meinen Heat und konnte auch viel von dem zeigen, was ich gelernt hatte. Zwei schöne Frontloops und auch das Waveriding lief ganz gut. Mit 12.6 Punkten hatte ich am Ende zwar nicht einmal die Hälfte der Punkte meiner Gegnerin erreicht, aber ich war trotzdem zufrieden. Zudem machte mir der Zweikampf Spaß.


Im weiteren Verlauf des Nachmittags konnte ich dann noch die gesamte Single Elimination der Mädels und das Finale der Männer sehen. Leider hatten die anderen deutschen Mädels nicht viel mehr Glück als ich: Caro Weber unterlag knapp Alice Arutkin und Steffi Wahl musste sich der Queen of Freestyle Sarah-Quita geschlagen geben. Diese fuhr sich bis auf einen verdienten 3. Platz vor, hinter den Zwillingen Daida und Iballa Moreno. Denn als einzige Frau konnte Sarah-Quito den Pushloop zeigen.


Auch bei den Männern wurde es noch Mal spannend: Köster und Mussolini setzten sich im Halbfinale durch und trafen in einem atemberaubenden Finale aufeinander. Philip dominierte von der ersten Minute an. Mit perfekten Doubles und trockenen Push-Forwards lies er Mussolini keine Chance. In der letzten Minute des Heats, als alles schon entschieden scheint, heizt Köster dann mit seinem 3.7er Segel mit Fullspeed auf ein großes Set zu und zeigt das, worauf alle seit Jahren warten: Den bisher besten Triple-Loop Versuch!!! Mit drei vollständigen Rotationen, nur die Landung fehlte noch. Damit war klar: Philip Köster war der Gewinner der Single Elimination in Pozo Izquierdo, vor Alex Mussolini und Daniel Bruch.

Tag 2 - Montag - Double Elimination

Auch der zweite Tag fing früh an: 7.30 Skippersmeeting und um 8 Uhr Start. Allerdings nur für die Männer, ich war erst in etwa drei Stunden dran. So hatte ich genügend Zeit, mein Material vorzubereiten und auch noch ein bisschen zuzuschauen.


Gegen 11.30 Uhr ging ich dann als erster Frauenheat gegen Serena Zoia aufs Wasser. Es war komplett Flut, so dass die Wellen fast nur auf den Strand brachen und nochmal windiger als gestern und ich konnte mein voll durchgezogenes 3.3er Quad Segel kaum halten! Trotzdem schaffte ich es 4 (!) Frontloops zu machen und auch ein paar Wellen zu finden. Für die vielen Vorwärtsrotationen wurde ich später für verrückt erklärt - einer hätte ja gelangt bei dem vielen Wind ;) Naja, das nehme ich als Heat-Erfahrung mit! Kurz nach dem Heat erfuhr ich dann, dass ich gewonnen hatte und somit eine Runde vorrückte!


Nach nur 14-minütiger Pause sollte es dann weiter gehen gegen die Vorjahresdritte Alice Arutkin. Der Wind bließ unerlässlich mit über 50 Knoten und die Wellen brachen nicht nur auf den Strand sondern auch einige Masten. Bei mir blieb zum Glück alles ganz und so kämpften Alice und ich uns mit unseren kleinsten Segeln durch die Wellen. In der Mitte des Heats fand ich mich dann irgendwann alleine auf dem Wasser wieder, Heat cancelled! Und ich war die letzte die das kapiert hatte. Ja, es gibt einiges zu lernen als Anfänger ;)


Zurück am Strand bei den Judges wurde uns mitgeteilt, dass man 1h warten wolle, bis sich das Wasser etwas zurückgezogen hat, da es kaum möglich war Wellen abzureiten. Zeit um sich ein bisschen auszuruhen und die Energiespeicher aufzufüllen.


Schließlich fiel dann später der zweite Startschuss und diesmal zählte es. Wieder gelang es mir einigermaßen zu zeigen was ich konnte, trotz unmenschlichen Windes. Ich sah, dass auch Alice zu kämpfen hatte und witterte meine Chance. Viel zu schnell war der Heat vorbei und direkt darauf wurde das Ergebnis verkündet: ich hatte um nur 0,3 Punkte verloren! Schade, aber ich war trotzdem zufrieden mit meiner Performance und hatte viel Spaß.


Im weiteren Verlauf des Tages konnte ich mir dann tiefenentspannt die letzten Runden anschauen. Dabei stachen besonders zwei heraus: Steffi Wahl bei den Frauen und Victor Fernandez bei den Männern. Beide fuhren sich von Heat zu Heat weiter nach vorne. Steffi konnte Amanda Beenen noch von ihrem 4. Platz verdrängen, unterlag dann aber leider Sarah-Quita, die erneut ablieferte. Victor Fernandez fuhr sich sogar bis ins Finale gegen Philip Köster vor. Der lies ihm aber  keine Chance und lieferte mit Planning Doubles und Push-Forwards eine unglaubliche Show und wurde somit verdient zum Sieger von Pozo gekrönt.


Bei den Mädels fuhren die Morenotwins den Sieg unter sich aus. Daida dominierte den Heat auf extrem hohen Niveau mit einem massiven Stalled Forward und einem one-handed Backloop direkt von der nächsten Welle.


Für mich als Worldcup-Neuling waren diese zwei Tage ein tolles Erlebnis und mit meinem 9. Platz auch schon ein erster Erfolg. Ich habe viel gelernt, was Heat-Taktik, Bepunktung und Vorbereitungen angeht, eine tolle Show gesehen und selbst viel Spaß auf dem Wasser gehabt. Das Level ist hoch und motiviert mich auch für das eigene Training! Ich freue mich jetzt schon wieder auf nächstes Jahr!

Ergebnisse Herren:

1. Philip Köster (G-44)
2. Victor Fernandez (E-42)
3. Alex Mussolini (E-30)
4. Dany Bruch (G-1181)
13. Klaas Voget (G-4)
17. Leon Jamaer (G-208)
17. Flo Jung (G-213)
25. Moritz Mauch (G-103)

Ergebnisse Damen:

1. Daida Ruano Moreno (E-64)
2. Iballa Ruano Moreno (E-63)
3. Sarah Quita Offringa (ARU-91)
4. Steffi Wahl (G-303)
9. Lina Erpenstein (G-423)
13. Caro Weber (G-118)